08. November 2018

Presseschau: Nicht nur Friedrich Lufts "Über die Berliner Luft" sorgt für Aufsehen, hier die neuesten Besprechungen im Überblick

Friedrich Luft, Über die Berliner Luft

"Die Sache bei Friedrich Luft war ja die: Hörte oder las man ihn einmal, ging einem der Klang seiner Sprache nie mehr aus dem Sinn. Tatsächlich erhielt der Theaterkritiker 1978 den ersten Ricarda-Huch-Preis für Literatur, und Marcel Reich-Ranicki schrieb zu diesem Anlass in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Luft ist im ganzen Zeitraum seit 1945 der einzige, der über eine unverwechselbare Sprache verfügte.“ (...) Denn Friedrich Luft versuchte immer, sprachlich auf die Höhe des Kunstwerkes zu kommen, er wollte es nachempfindbar machen, ordnete es dabei wie beiläufig ein und beschrieb selbst Kompliziertestes so sinnlich, dass ihn auch der (von ihm oft bemühte) „Gemüsehändler“ verstehen konnte. Friedrich Luft war das, was man eine Berliner Institution nennt. (...) Liest man in dem dunkelblau gebundenen Band Nummer 405 der Anderen Bibliothek, weht einen nicht nur die Gründungsgeschichte des Nachkriegsberlin an, nicht nur die Muße und Fokussiertheit eines brillanten Autors, sondern auch die immense Bedeutung, die Zeitungen, die das Feuilleton damals hatten. Die Resonanz, die Friedrich Luft auf seine Texte und Radiobeiträge bekam, ist legendär."
Petra Kohse, Frankfurter Rundschau/Berliner Zeitung, 03.11.2018

"Es sind Beobachtungen eines Flaneurs, aber ohne den Hauch von Leichtfüßigkeit, der diesem Begriff meist anhängt. (…) Aber im Mittelpunkt der Sammlung steht die Chronik des zerbombten Berlins, stehen die Überlebenden, die sich mit verzweifeltem Mut aufrappeln. So sind Skizzen einer Geschichte des Wiederaufbaus entstanden, die das Chaos und seine schrittweise Beseitigung beim Lesen geradezu fotografisch sichtbar werden lassen. Skizzen in einer Sprache, die an die Feuilletongenies der Weimarer Zeit, an Polgar, Kerr und Ihering anknüpft, aber dennoch einen ganz eigenen Ton findet.“
Bernd Matthies, Tagesspiegel, 06.11.2018

"Die teils mehr als 70 Jahre alten Texte haben nichts von ihrer Frische verloren. Aktuell und zugleich zeitlos schreiben - das beherrschte Friedrich Luft perfekt. »Ich glaube«, so lautet sein 1955 formuliertes Credo, »daß ich im letzten Grunde nur an den Zweifel glaube.« - Was er damit meinte? Lesen sie es nach, es lohnt sich!“
Mathias Iven, Wist – der Literaturladen, 24.10.2018

"Lufts Texte sind vielgestaltig, die Sujets sind breitgefächert und mit Aperçus gespickt. (…) Die verblüffend lebendigen Texte des 1990 Verstorbenen lassen Berliner Geschichte, Kultur und Politik plastisch werden."
Tobias Schwartz, Tagesspiegel, 01.11.2018

"Tänzerisch, poetisch, gleichzeitig unglaublich hart und manchmal auch gnadenlos Und ich finde, man merkt seinen Texten an, dass er sozusagen an die großen Kritiker der 20er, 30er Jahre angeknüpft hat, die er ja alle noch erlebt hat, Alfred Kerr, Lessing und andere. (...) Er war auf jeden Fall Chronist seiner Zeit im sich wiederaufbauenden Berlin."
Shelly Kupferberg, rbb kulturradio, 07.11.2018


Essad Bey, Öl und Blut im Orient

""Öl und Blut" ist weit mehr als ein historisches Dokument, nämlich vor allem ein literarisches Ereignis. (...) Wie Joseph Roth über das Habsburgerreich spricht Bey mit souverän distanzierter Sympathie über eine Welt, die nur noch in Erzählungen lebt und deren Sitten zutiefst vergangen erscheinen."
Christoph Schmälzle, SWR2 – Lesenswert Kritik, 05.11.2018


Wilfried Ihrig/ Ulrich Janetzki, Die Morgendämmerung der Worte

"Und wie es sich für einen Atlas gehört, sind die Autorinnen und Autoren – von Russland über Rumänien bis Argentinien – fein säuberlich nach Ländern gruppiert. Man stößt auf die großen Namen, die Bahnbrecher der Roma-Dichtung wie Papusza, Mattéo Maximoff oder Alexander Germano; vor allem aber auch auf zahlreiche Vertreter einer neuen Generation, die ihren literarischen Rang erst noch behaupten müssen. Und mitten unter sie mischten die Herausgeber sogar einen Text Charlie Chaplins, der – wie er selbst in seiner Autobiografie berichtet – mütterlicherseits von einer englischen „Gipsy“-Familie abstammt."
Magazin dRoma, Ausgabe 3-2018

"Dass es sich zumeist um Neuübersetzungen handelt, zeigt, wie gründlich die Vorarbeit zu diesem Werk waren. Somit leistet diese Anthologie einen einzigartigen Blick auf das lyrische Schaffen der Sinti und Roma der letzten rund hundert Jahre. (...) Ein Schatz, in dem es viel zu entdecken gibt."
Thomas Sülzle, LovelyBooks.de, 03.11.2018
 

 

Ernst Troeltsch; Die Fehlgeburt einer Republik
 
Ein empfehlenswertes Feature von Johann Hinrich Claussen gab es auf NDR Kultur, hier ist es nachzuhören


 

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Buch zur News:

Friedrich Luft

Über die Berliner Luft

Für seine Kritiken ist der Rundfunk-Solitär Friedrich Luft berühmt, seine Feuilletons warten noch auf die Wiederlektüre.
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Über die Berliner Luft
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10.2018
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