06. Oktober 2021 12:00 Uhr

Zum 150. Geburtstag von Georg Hermann am 7. Oktober

Vor 150 Jahren, am 7. Oktober 1871, wurde Georg Hermann geboren. Er war Zeitschriftenautor, Feuilletonist, Kunstkritiker und literarischer Essayist. Er schrieb eine Vielzahl an Romanen und Erzählungen, Essays und Dramen. Lothar Müller schreibt in seinem Nachwort zu Die Nacht des Dr. Herzfeld & Schnee:

„In seinem autobiographischen Roman Spielkinder hatte Georg Hermann, der 1871 geboren wurde, als aus der preußischen die Hauptstadt des Deutschen Reiches wurde, auf das Berlin seiner Kindheit zurückgeblickt. Mit den Romanen Jettchen Gebert (1906) und der Fortsetzung Henriette Jacoby (1908), der Geschichte einer jüdischen Familie im Berlin der Biedermeierzeit, hatte er große Publikumserfolge erzielt. Sein Kubinke war ein Neueinsatz, die Hinwendung zum aktuellen Berlin. Die Ausdehnung nach Westen, die Umzüge, Dienstbotenaufgänge und herrschaftlichen Treppen in den noch nicht trockengewohnten Neubauten mit ihren historisierenden Fassaden hatte er vor Augen, als er in seiner Wohnung in der Uhlandstraße in Wilmersdorf den Roman des Untergehers Emil Kubinke niederschrieb. Wenig später war er in die Trabenerstraße im Grunewald gezogen, aber Dr. Herzfeld und Hermann Gutzeit überqueren beim Gang Richtung Bahnhof Zoo die Uhlandstraße.“

Georg Hermann, eigentlich Georg Borchardt, stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Familie. Sein Vater war ein angesehener Geschäftsmann, der jedoch in den Gründerjahren sein Vermögen verliert. In seinem Nachwort zu Kubinke schreibt Lothar Müller:

„Das Scheitern des ehemals reichen, angesehenen Geschäftsmanns bei missglückten Immobilienankäufen und Spekulationen prägt die Kindheit des jüngsten Sohnes, imprägniert ihn mit dem Sinn für fallende Lebenskurven. Die Stille und Zurückgezogenheit, die zu Orten wie Blumeshof gehört, verfliegt. Gerichtsvollzieher gehen ein und aus, pfänden das Mobiliar, es kommt vor, dass der Vater plötzlich verschwindet. In seinem autobiographischen Erstling Spielkinder hat Georg Hermann von diesem Untergang der Familie Borchardt mitten in den Gründerjahren erzählt und eine Liebesgeschichte des Ich­-Erzählers damit verknüpft. Spielkinder, das sind diejenigen, denen es an Kraft und Mut fehlt, Dilettanten des Lebens, die den Stärkeren nicht gewachsen sind. Und die Literatur ist eine Hoffnung.“

Georg Hermann nahm den Vornamen des Vaters als Pseudonym an, um ihn – wie er selbst sagte – wieder zu Ehren zu bringen. Bei uns sind neben Kubinke die beiden Romane Die Nacht des Dr. Herzfeld und dessen Fortsetzung Schnee als Doppelroman in einem Band erschienen.

„In seinem Kubinke hatte Georg Hermann passagenweise das industrielle, proletarische Berlin Hans Baluscheks in Prosa nachgebildet, nun, in Die Nacht des Dr. Herzfeld, bettete er die nächtliche Wanderung seines Helden in feuilletonistische Skizzen ein, die »Blick auf die Gedächtniskirche« oder »Verkehr am Bahnhof Zoo« heißen könnten“, so Lothar Müller in seinem Nachwort.

Nach den Reichstagswahlen 1933 ging Georg Hermann mit seiner Familie ins Exil, am 10. Mai 1933 wurden seine Bücher öffentlich auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. Im Ausland schrieb und publizierte er trotzdem weiter. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht konnte er sich den Nationalsozialisten nicht mehr entziehen: Im Sommer 1943 wurde er zuerst gezwungen, in das jüdische Ghetto von Amsterdam umzusiedeln, und dann in das Konzentrationslager Westerbork gebracht. Im November 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und dort nach seiner Ankunft ermordet.

 

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Georg Hermann

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