22. Februar 2021 10:00 Uhr

Internationaler Tag der Muttersprache: PEN solidarisiert sich mit Sinti und Roma

Der Schriftsteller:innenverband PEN Deutschland hat den Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar zum Anlass genommen, "um auf die Sprache und Kultur der Sinti und Roma aufmerksam zu machen und für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen in unserem Land zu werben." In der Pressemitteilung dazu erläutert PEN-Präsidentin Regula Venske:

 

"Zur Kultur in Deutschland gehört, dass wir in diesem mitten in Europa gelegenen Land reichhaltige Kulturen – im Plural – haben. Dazu zählen mehrere vom Aussterben bedrohte Sprachen, die nur von kleinen Minderheiten gesprochen werden, aber doch die Fülle des Menschseins repräsentieren, wie das Sorbische, Friesisch oder eben auch Romanes. Anstatt auf einem angeblichen Grundrecht, ein Schnitzel benennen zu wollen, zu beharren, sollten wir lieber anderen menschlichen Bedürfnissen Raum geben: Neugier und Lust auf Austausch mit unseren Mitmenschen, gemeinsames Trauern, gemeinsames Feiern, gemeinsames Leben. Ich bin sicher, es warten auf Romanes noch große literarische Schätze darauf, gehört und gelesen zu werden.“

 

Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, ist in Deutschland neben Dänisch, Friesisch und Sorbisch als Sprache einer nationalen Minderheit offiziell anerkannt. Sie ist hauptsächlich eine mündlich überlieferte Sprache, und unter anderem deshalb ist ihre Literatur meist in anderen Sprachen verfasst. Wilfried Ihrig und Ulrich Janetzki haben in ihrem Band Die Morgendämmerung der Worte über 250 Gedichte von Sinti und Roma in aller Welt gesammelt –  u.a. von Marianne Rosenberg, Dotschy Reinhardt, Charlie Chaplin, Samuel Mágó, Mariella Mehr, Karol Parno Gierliński, Delia Grigore, José Heredia Maya, Rajko Đurić, Jovan Nikolić und Santino Spinelli. Die Anthologie nimmt nicht nur jene lyrischen Selbstzeugnisse auf, die in einer der Varianten von Romanes oder Romani verfasst worden sind, sondern auch Gedichte, die aus etwa 20 Sprachen ins Deutsche übertragen wurden, viele davon zum ersten Mal.

 

Es kommen unterschiedlichste Poet:innen zu Wort, die vor allem die Zugehörigkeit zu der größten europäischen Minderheit teilen. Ihre Gedichte erzählen Geschichten von Vertreibung, Ankommen und Melancholie, Sehnsucht und Heimweh, sie erzählen – häufig voller Komik – über die Unwegsamkeiten des Alltags, von den Labyrinthen der Bürokratie, von Ablehnung, Angst und Hass, es sind Verse über die Natur, über Pferde, Sterne und natürlich die Liebe.

zurück

Buch zur News:

Die Morgendämmerung der Worte

Nach den Berlinerischen Gedichten: die nächste editorische Pionierleistung
Mehr
Die Morgendämmerung der Worte
42,00 EUR
08.2018
1 x 'Die Morgendämmerung der Worte' bestellen Warenkorb