31. Mai 2019

Blick hinter die Kulissen: Die Buchgestalterin Sandra Doeller über Bettine von Arnims Letzte Liebe.

Zu Bettine von Arnim wurden zahlreiche Bücher veröffentlicht, meist in gewohnt historisch anmutender Manier. Die erstmalige Veröffentlichung ihres letzten Werks, dem lange unter Verschluss gehaltenen Briefwechsel mit Julius Döring, stellt die Frage nach gestalterischen Möglichkeiten neu.

 

Nach einer Reihe verschiedener Ansätze entschieden wir uns, eine Radierung Bettine von Arnims, die 1838 von Ludwig Emil Grimm angefertigt wurde, als Grundlage der Schlaufengestaltung zu verwenden. Diese zeigt Bettine von Arnim, sitzend auf einem Stuhl, als selbstbewusste Frau mit klarem Blick im Profil. Statt jedoch die Radierung originalgetreu zu reproduzieren, wurde sie durch den Zoom auf das Gesicht, die feine Rasterung und den Kontrast von hellem Blau mit leuchtendem Rot, zeitgemäß als Portrait interpretiert. In Kombination mit der markanten, fast monumentalen Typografie – die Schrägstellung bricht hier bewusst mit der Strenge der klassizistischen Antiqua – betont die Gestaltung der Schlaufe Bettine von Arnims Wirkung als emanzipierte, unkonventionelle Frau ihrer Zeit.

 

Das leuchtende Rot der Schlaufe findet sich auf dem Einbandmaterial wieder. Ausgangspunkt für das Motiv war der Kupferstich einer weißen Hyazinthe – dem Kennsymbol von Bettine von Arnim und Julius Döring, das sinnbildlich für deren Beziehung gelesen werden kann. Der Stich wurde dekonstruiert und die einzelnen, charakteristisch geformten Blüten stark vergrößert zu einer Art Muster wieder zusammengesetzt.

 

Das hellblaue Vorsatzpapier stimmt auf den zurückhaltender gestalteten Innenteil ein, der sich in Briefe, Einzelstellenkommentare und Nachwort gliedert. Diese drei Segmente werden jeweils von einer dunkelblauen Doppelseite eingeführt, die durch die Typografie den Bogen zur Gestaltung der Schlaufe schlägt. Die auf Schlaufe und Kapitelseiten verwendete Schrift Centennial kommt auch im Mengensatz zur Anwendung. Sie wirkt elegant, klassisch, aber gleichzeitig modern und zeichnet sich unter anderem aufgrund der großen x-Höhe durch eine sehr gute Lesbarkeit aus. Jedem Brief geht ein Briefkopf mit der Nennung von Empfänger, Absender, Absendeort und Datum voraus, der im Kontrast in der Typewriter Schrift Prestige Elite abgesetzt wurde – zum Einen visuell strukturierendes Element, zum Anderen Referenz an den Umstand, dass es sich bei den Briefen um einen Archiv-Fund handelt.

 

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Buch zur News:

Bettine von Arnim

Letzte Liebe

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