04. September 2018

Franz Greno zum 70. Geburtstag am 04. September 2018

»Wir drucken nur Bücher, die wir selber lesen möchten«.


Dem Motto der Anderen Bibliothek, die ohne Franz Greno nicht entstanden wäre, hat er eine Gestalt gegeben: Er hat die Kunst des »Schönen Buchs« in der Anderen Bibliothek bewahrt und in den Zeiten ihrer Ablösung durch eine mechanische Massenproduktion 1985 neu erfunden. Dem billig und schlecht produzierten Taschenbuch der damaligen Zeit hat er die Buchkunst entgegengestellt.

 

Franz Greno schied mit Band 270 im Juni 2007 als Gestalter und Hersteller der Anderen Bibliothek aus. In ihrem 33 Jahr und bei Band 405 in diesem September angekommen, hat Franz Greno in geradezu prophetischer Einsicht der Anderen Bibliothek den Weg eines in der Buchgeschichte singulären Erfolgs geebnet.


Wir gratulieren Franz Greno zum 70. Geburtstag herzlich. Vielleicht bereitet er uns noch einmal das Geschenk eines von ihm gestalten Bands.


Christian Döring
Herausgeber der Anderen Bibliothek


Die Rolle und Verdienste Franz Grenos werden in dem Sonderband »Die Chronik der Anderen Bibliothek« ausführlich beleuchtet. Hier nur ein kleiner Ausschnitt daraus:


»In kürzester Frist hatten Greno und Enzensberger nicht nur das Programm zusammengestellt, sondern auch die Strategien und Taktiken der Öffentlichkeitsarbeit ausgearbeitet. Das Erscheinen der »Anderen Bibliothek« war von Anbeginn in hohem Maß von einer Personalisierung geprägt, bei der die »Macher« im Mittelpunkt stehen. In allen Werbemitteln wie in den Bänden der »Anderen Bibliothek« selbst ist die namentliche Nennung beider durchgängiges Prinzip. Das machte deutlich, dass »Die Andere Bibliothek« nicht von einem Verlag, sondern von zwei Personen veranstaltet wird, die mit ihrem Namen für die Qualität der Reihe bürgen. (…)

 

Grenos Kompetenz rührte von seinen Aktivitäten bei »Zweitausendeins« her. Der Ruf des Versenders »Zweitausendeins« beruht vor allem auf außergewöhnlichen Titeln und deren besonderer Gestaltung, die in seinen Händen lag. Dafür ist Greno vielfach ausgezeichnet worden. Diese vom Mainstream abweichende Orientierung der »Zweitausendeins«-Buchproduktion findet sich sowohl im Profil von Grenos Nördlinger Verlag wie auch in der »Anderen Bibliothek« wieder – allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass Greno nun die Zusammenarbeit mit dem stationären Buchhandel eingeht und nicht wie »Zweitausendeins« über den Direktvertrieb. Greno hatte sich bei »Zweitausendeins« den Ruf erarbeitet, einer der bedeutendsten Buchgestalter Deutschlands zu sein: Nicht nur war er ein »bemerkenswerter«, sondern auch ein »geheimnisvoller« Verleger, der zudem über einen »Nimbus«, eine »Aura« verfügte. (...)

 

Hans Magnus Enzensberger, der Greno aus der Zusammenarbeit wohl am besten einschätzen konnte, schreibt über ihn, er habe »die Extravaganz besonders weit getrieben: bis zum Eigensinn, bis zum Partisanentum«. Enzensberger weiter: »Franz Greno war der erste Verleger meines Lebens, der nicht alles, aber auch alles besser wußte als ich.««


(Foto: Franz Greno und Hans Magnus Enzensberger, Copyright Pat Meise)


 

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