09. Juli 2018

Presseschau: Die neuesten Besprechungen im Überblick

Essad Bey, Öl und Blut im Orient

 

"Beys Bericht liest sich mitunter wie ein Musterbeispiel des Orientalismus, so wie er den Nahen Osten als Mischung aus unendlicher Grausamkeit und zartester Liebe zur Poesie beschreibt. Trotzdem schlagen seine frische, plastische Erzählweise und die ironische Nonchalance, mit der er selbst die schrecklichsten Erlebnisse schildert, noch heute in Bann. Obwohl fast 90 Jahre alt, besteht die beklemmende Aktualität seines "Berichts" in dem Bild einer Zeit, die durch genau dieselben Probleme bestimmt ist, wie unsere Welt heute: Der Kampf um Energievorräte und der blutige Austrag nationaler, ethnischer und religiöser Gegensätze."
Ingo Arend, Deutschlandfunk Kultur, 09.07.2018

 

Ein Feature über Essad Bey auf Deutschlandfunk Kultur vom 06.07.2018 ist hier nachzuhören und nachzulesen.

 

Iso Camartin, Die Kunst des Lobens

 

"… was Brillanz und graziöse Equilibristik angeht, das Beste seit seinen ersten Essaybänden (…). In diesem Lorbeer-Lesebuch, witzig, hochbelesen, arabesk aus der Zeit gefallen, findet sich eine Überfülle an hinreißenden Stellen, die man sich gar nicht traut anzustreichen. Ist es doch ein grafisch fein gestalteter, auf feinem Papier schön gedruckter Band mit irisierendem Einband."
Alexander Kluy, Der Standard, 30.06.2018

"Ein  leises  Pathos,  die  Bescheidenheit,  ein  immenser  Wortreichtum  und  dieses  Allgemeinwissen  machen die Reden auch zum Lesegenuss. Nie biedert er sich an, zwischenmenschlich Gefährliches spricht er an, um es dann elegant zu umschiffen. Zum Inhalt gehört nicht nur das Lob, sondern auch das, was er rundherum noch, damit zusammenhängend, den Zuhörern – jetzt den Lesern – mitzuteilen hat."
Konrad Holzer, Buchkultur, 3/2018

"Wortspiele, Pointen, Witz, das Spiel mit dem Leser: das alles findet man in den Lobreden Camartins. Vor allem aber sind es die überraschenden Verknüpfungen, der Weg zum eigentlichen Thema, der Weg zum Geehrten, die das Besondere von Iso Camartins Lobreden ausmachen. (...) Kommen sie auch leichtfüßig daher, so sind Camartins Lobreden zutiefst durchdacht."
Thomas Sülzle, LovelyBooks, 01.07.2018

"Denn auch das Loben will geübt sein. Während in der Erziehung schon vor einer schädlichen Überdosierung des Lobs durch wohlmeinende Eltern gewarnt wird, verkümmert es offenbar in der Erwachsenenwelt. Das möchte der Schweizer Kritiker, Romanist und Publizist Iso Camartin gerne ändern. (...) Das Buch, wie üblich im Verlag der "Anderen Bibliothek" bibliophil edel ausgestattet, ist passend zum Thema in ein rotes Fest-Ornat gekleidet, mit eingewobenem Goldglitzer."
Johan Schloemann, Süddeutsche Zeitung, 04.06.2018

  


Moische Kulbak, Die Selmenianer

 

"Kulbak beschreibt in Form eines modifizierten jiddischen Schtetlromans den Zusammenstoß traditioneller jüdischer Lebensweise mit Geist und Ungeist der neuen Zeit. Die Selmenianer bewohnen eine kleine Siedlung. Kulbak schildert soziale Wirklichkeit – Veränderungen gegenüber aufgeschlossen, doch im Vertrauen auf die Poesie, mit Humor, Wärme und Anspielungen auf Heine, Shakespeare, Babel und Tschechow. (...) Heute liest man gerade „Die Selminianer“ als historisches Zeugnis und als kraftvollen, poetischen Abschied von einer Welt, deren Untergang dem Autor schmerzhaft bewußt war."
Carsen Hueck, Ö1 vom ORF - Ex libris, 01.07.2018

"In Moishe Kulbaks zweibändigem Roman „Die Selmenianer“, 1931 und 1935 erstmals in Minsk erschienen, geht es um den riesigen jüdischen Clan der Selmenianer auf dem Rebsehof Anfang des letzten Jahrhunderts. Aber keine noch so redliche Inhaltsangabe könnte mit dem Witz, der Pointiertheit, dem ästhetischen und historischem Reichtum, der einem hier auf 400 Seiten entgegenfunkelt, mithalten."
Janika Gelinek, Literaturport.de - Buchempfehlung der Woche, 24-2018

 
Apuleius, Metamorphosen oder Der goldne Esel

 

"Mit den »Metamorphosen oder Der goldne Esel« des Apuleius liegt, wieder in einer Originalausgabe, der 400. Band vor, ein Buch voll herrlicher Liebes-, Gauner- und Schelmengeschichten, illustriert natürlich und zur Feier des Tages mit goldenen Vorsatzblättern geschmückt."
Klaus Bellin, Magazin Lesart, 2/2018

 

"Die "Metamorphosen" des Apuleius (…) ist der einzige vollständig überlieferte lateinische Roman der Antike und gilt als Werk der Weltliteratur. (…) Doch machen allein schon die unterhaltsamen Schwänke und die eingefügte Liebesgeschichte von Amor und Psyche den "goldenen Esel" zu einer reizvollen Lektüre.“
Ronald Schneider, ekz.bibliotheksservice, 25-2018

„Der Goldene Esel, Weltliteratur der Antike im bibliophilen Gewand der Anderen Bibliothek. In gold-weißer Ausstattung mit illustrierenden Radierungen, umfangreichem Apparat sowie starker Einführung. Die klassische Übersetzung von August Rode, aus der Goethezeit, ist neu durchgesehen worden und es gibt nichts auszusetzen an ihrem rythmischen, kein bisschen angestaubten, wenn auch selten gewordenem Sprachhandwerk.“
Jonis Hartmann, FIXPOETRY, 16.06.2018

Ilf/Petrow, Das eingeschossige Amerika

Denis Scheck sprach in der TV-Sendung "lesenswert" auf SWR vom 05.07.2018 mit Felicitas Hoppe über ihr neues, großartiges Buch "Prawda", wobei sie auch von Ilf & Petrows Reisebericht "Das eingeschossige Amerika" schwärmte. Das wunderbare Vorwort zu unserer Ausgabe haben wir ihr zu verdanken, für "Prawda" reiste sie auf den Spuren des Autorenduos durch die USA. Das Gespräch können Sie hier in der SWR-Mediathek ansehen.

Michel de Montaigne, Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland von 1580 bis 1581

Montaignes Reisetagebuch wurde auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste im Juli 2018 von Die Welt, WDR 5, Neue Zürcher Zeitung und ORF-Radio Österreich 1 gewählt!

"Er reiste ohne Plan, immer der Nase nach, getrieben von immenser Neugier. Er war der Älteste von allen und für einen Edelmann ziemlich anspruchslos. Selbst die primitiven Wirtshäuser, in denen man übernachtete, konnten ihm die Laune nicht verderben. Alles, was er sah und erlebte, wurde notiert (oder diktiert), ohne zwischen Wichtig und Unwichtig zu unterscheiden. Er freute sich über beinah alles, was er sah, das Banale und Außergewöhnliche, das Beiläufige und Wunderbare, über Bräuche, Bauern, Frauen, Kurtisanen, die wechselnden Sitten."
Klaus Bellin, Magazin Lesart, 2/2018

Boehncke/Sarkowicz/Seng, Monsieur Göthé

"Nun hat ein dreiköpfiges Autorenteam mit dem Buch "Monsieur Göthé. Goethes unbekannter Großvater“ eine umfassende Studie vorgelegt; anhand von Dokumenten sowie kulturgeschichtlichen und soziologischen Ausführungen geht die Recherche der Lebensgeschichte des Schneidermeisters und späteren Gastwirts Friedrich Georg Göthé nach und zeichnet ein deutliches Bild dieses bemerkenswerten Mannes. (...) In der spannenden Recherche "Monsieur Göthé. Goethes unbekannter Großvater“ lässt sich all dies genauer erfahren, und noch viel mehr, z.B. inwiefern Goethe einen ausgeprägten Bezug zum Märchen „Das tapfere Schneiderlein“ hatte."
Cornelia Frenkel, UNIversalis-Zeitung, Ausgabe Sommer 2018

"Bei dem hier zu besprechenden Titel handelt es sich um ein ungewöhnlich schön gestaltetes Buch, optisch und haptisch. (...) Nachdem er sich ausgiebig dem optischen Genuss hingegeben hat, kann sich der Leser in den Text versenken. Die Autoren haben jedem noch so winzigen Hinweis nachgespürt, der zur Vertiefung der gestellten Aufgabe beitragen konnte, haben Interpretationen gewagt und wieder verworfen, sind die Fragestellung erneut aus anderer Perspektive angegangen. (...) Es ist der gelungene Rehabilitationsversuch für den erfolgreichen Schneidermeister Friedrich Georg Göthé, der nicht nur Damen des Frankfurter Patriziats, sondern auch Adelige zu seinen Kundinnen zählte."
Christel Lentz, Nassauische Annalen, Band 129-2018
 

Lafcadio Hearn, Japans Geister

 

"Hearns Texte wurden an der Schwelle zum 20. Jahrhundert auf der ganzen Welt übersetzt und gelesen. Glücklicherweise wurde eines seiner berühmtesten Werke, Japans Geister, 2015 von „Der Anderen Bibliothek“ neu herausgegeben. Viele andere Neuübersetzungen und Neuerscheinungen sollten diesem guten Beispiel folgen, schließlich ist Hearns Einfluss auf das westliche Japanbild der Moderne und auch der Gegenwart kaum zu überschätzen. (…) Er war es, der als Autodidakt jenes Japanbild evoziert hatte, das für den jungen Hofmannsthal und viele andere einen orientalistischen Resonanzraum eröffnete, der über den ästhetischen Japonismus des 19. Jahrhunderts hinausging.“
Florian Lehmann, literaturkritk.de, 06.06.2018





 

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Buch zur News:

Iso Camartin

Die Kunst des Lobens

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Die Kunst des Lobens
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