06. Juni 2018 - Trogen, Schweiz

Einem literarisch-musikalischen Ereignis mit prominenter Beteiligung hat am 26. Mai 2018 Apuleius' Goldner Esel beigewohnt. Stefan Stirnemann berichtet für uns von der Veranstaltung:

Die St. Galler J.S.Bach-Stiftung führt seit über zehn Jahren alle Kantaten Bachs auf, jeden Monat eine Kantate, wie die AB jeden Monat ein Buch herausgibt. Ort der Konzerte ist die Gemeinde Trogen, die ob St. Gallen und Bodensee in den sanften Hügeln des Appenzellerlandes liegt. Zur Aufführung gehört eine Ansprache, eine Reflexion, zu der eine Persönlichkeit aus Kultur, Wirtschaft oder Politik eingeladen wird. Gross war die Freude, als HME für Freitag, den 25. Mai 2018 zusagte. Die NZZ hat die Reflexion veröffentlicht: «Wer zweifelt, bewegt sich freier» (1. Juni 2018). Der Dichter war auch bereit, am folgenden Tag bei einer Matinée mitzumachen: «Oden und Fahrpläne – Mit Mozart und Bach von Sappho bis Enzensberger. Eine Après-Bach-Matinée für und mit Hans Magnus Enzensberger». Musik: Rudolf Lutz, Künstlerischer Leiter der J.S.Bach-Stiftung. Buch und Moderation: Stefan Stirnemann.

 

Der Dichter las zunächst sein klassisches Gedicht ins lesebuch für die oberstufe: lies keine oden, mein sohn, lies die fahrpläne. Dann folgte eine Einführung «Der Fahrplan der Ode» mit einem kurzen Blick auf Entstehung und Weg der Odenform. Im Hauptteil las HME aus seinen Gedichten, auch unveröffentlichte, und aus dem «Wasserzeichen der Poesie», Band neun der AB, herausgegeben von Andreas Thalmayr alias HME. Rudolf Lutz improvisierte dazu quer durch Zeiten und Stile auf dem Flügel. Den Schluß bildeten Gedanken zur «Ode und Parodie». In der Musik hat der Begriff der Parodie eine ernsthafte Bedeutung, das Aufgreifen und Umprägen eines Stücks der Überlieferung. Bach hat einen Choral Luthers umgestaltet: «Ach Gott, vom Himmel sieh darein». Mozart hat denselben Choral für seine Zauberflöte verwendet, im Gesang der Geharnischten: «Der, welcher wandert diese Straße voll Beschwerden.»

 

Und hier war es Zeit, daß der Goldne Esel auftrat. Der Band 400 stand auf dem Flügel bereit, neben dem «Wasserzeichen der Poesie». Der Text des Librettisten Emanuel Schikaneder, den Mozart im Stil der Schule Bachs vertont hat, geht auf Apuleius zurück, auf den Bericht, den Lucius, wieder Mensch geworden, von seiner Einweihung in die Mysterien der Isis gibt. Das Publikum sang Luthers Choral und Mozarts Gesang der Geharnischten. Dank an den Poeten: «Fahrplan» (saphhische Strophe): Wér den Músen díent muß den Fáhrplan kénnen/ Sonst fährt er im falschen Zug, in den Orkus/ Statt uns mitzunehmen zum Sitz der Götter/Mágnus, wir dánken.

 

Der Büchertisch wurde von der St. Galler Buchhandlung zur Rose ausgerichtet, der Schweizer Buchhandlung des Jahres 2017. Im Garten unter einem schattigen Sonnenschirm hatte auch der Goldne Esel einen Ehrenplatz.

Vormerken: Dienstag, 26. Juni, 19:30 in der Buchhandlung zur Rose: Die AB und ihr Jubiläumsband.

 

 

Hinweise:

Zur J.S.Bach-Stiftung, St. Gallen:

https://www.bachstiftung.ch/bach-stiftung.html

 

Zur St. Galler Buchhandlung zur Rose:

https://literaturblatt.ch/tag/leonie-schwendimann/

 

Die Portraitaufnahme HMEs stammt von Hansruedi Kugler, St. Galler Tagblatt. Wir danken ihm für die Erlaubnis, sie zu verwenden. Zum Bericht über HMEs Auftritt: https://www.bachstiftung.ch/presse/die-armen-schueler-mussten-ueber-mich-aufsaetze-schreiben.html

 

 

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