07. November 2017

Heute jährt sich zum 100. Mal die Oktoberrevolution der Bolschewiki – Sinaida Hippius, Viktor Schklowskij und Michail Ossorgin haben uns wertvolle Zeugnisse zu diesem epochalem Ereignis hinterlassen

Sinaida Hippius: „Petersburger Tagebücher 1914-1919“

Der Beginn des Ersten Weltkriegs machte aus der Lyrikerin und faszinierenden Salonnière eine politische Chronistin: als scharfzüngige Kritikerin der Zarenregierung und des Krieges, als Anhängerin der Februarrevolution von 1917 – jedoch als hellsichtige Anklägerin der bolschewistischen Machtergreifung im Oktober 1917. In ihrer großen Wohnung nahe dem Sitz der Regierung wurde sie zur Augen- und Ohrenzeugin: Die Politiker gingen bei ihr ein und aus, die politischen Papiere über ihren Tisch. Übersetzt aus dem Russischen von Bettina Eberspächer und Helmut Ettinger. Bearbeitet, mit Anmerkungen, einem kommentierenden Namensregister und einem Nachwort von Christa Ebert.
"Gerade im Nachgang zu den zahlreichen und teilweise epischen Rekonstruktionen des Ersten Weltkriegs in der akademischen Historikerzunft erweist sich dieses persönliche Dokument als wertvolle Quelle. Sinaida Hippius ist eine ebenso sensible wie sprachgewaltige Zeitzeugin, die den Untergang ihrer kulturellen Heimat mit der Wucht einer antiken Tragödie beschreibt." Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2016

Viktor Schklowskij: „Sentimentale Reise“

Viktor Schklowskij beschreibt Krieg, Bürgerkrieg und Revolution mit scharfen Blick, hart und kühl im Stil. Er berichtet über die Jahre 1917 bis 1922, von seiner Zeit als Kommissar an der Front in Galizien und Persien, von seinem Kampf als Sozialrevolutionär gegen die Bolschewiki und von seiner Flucht nach Finnland, als ihm die Verhaftung drohte. Dieses Buch ist ein literarisches Kunstwerk, das anatomische Präparat eines schreibenden und handelnden Zeitzeugen. Olga Radetzkaja hat es neu und erstmals vollständig übersetzt, Anselm Bühling mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat und einem Nachwort bereichert.
"Eine Entdeckung. Und das nicht nur als besonders eindringliche Quelle zur russischen Revolution, sondern auch als ungewöhnliches Beispiel für eine literarische Bearbeitung biographischer Motive vor historischer Kulisse. (…) Ein Klassiker ist wiederzuentdecken: "Krieg und Frieden" Anfang des 20. Jahrhunderts, ein Buch über Grenzen und Möglichkeiten des Erzählens und den poetischen Mut der Verzweiflung.“ Hans von Trotha, Deutschlandfunk Kultur, 05.07.2017

Michail Ossorgins: „Eine Straße in Moskau“

Die Übersetzung von Michail Ossorgins Roman „Eine Straße in Moskau“ wurde als „literarische Sensation“ (Martin Mosebach, Frankfurter Allgemeine Zeitung) gefeiert. Wie durch ein Brennglas werden die Ereignisse von 1914 bis 1920 im Mikrokosmos eines Professorenhaushalts um den Ornithologen Iwan Alexandrowitsch und seine Enkelin »Tanjuscha« betrachtet und zu einem Mosaik aus 86 Bildern und Szenen meisterhaft montiert. „Eine Straße in Moskau“ ist ein Zeitroman und die literarische Chronik eines wiederentdeckten großen russischen Stilisten. Neu übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Ursula Keller unter Mitarbeit von Natalja Sharandak.
"Michail Ossorgin schlägt in seiner „Straße in Moskau“ einen ganz und gar eigenen Ton an. Er speist sich aus einer elegischen Grundnote und scharfsichtiger Zeitzeugenschaft, aus Geschichtsfatalismus und Mitgefühl mit denen, die die Geschichte erleiden. Ossorgins lakonischer Stil, die filmische Montage der Kurzkapitel, der multiperspektivische Blick auf die Wirklichkeit haben auch heute, 90 Jahre nach der Entstehung des Romans, nichts von ihrer Frische eingebüßt." Brigitte van Kann, Deutschlandfunk – Büchermarkt, 02.12.2016

Michail Ossorgin: „Zeugen der Zeit“

Der Band „Zeugen der Zeit“ umfasst seine beiden Romane „Zeuge der Geschichte“ und „Buch vom Ende“, die zusammen mit "Eine Straße in Moskau" als Trilogie betrachtet werden können. Ossorgin vergegenwärtigt darin aus autobiografischer Sicht das Revolutionsgeschehen in Russland vor und während der ersten Revolution 1905 und das Leben der russischen politischen Flüchtlinge in der Emigration. Wie schon in seinem Debütroman erzählt er stilistisch meisterhaft von der Verstrickung des Einzelnen „in den Netzen der Geschichte“. Erstmals von Ursula Keller übersetzt und mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen, unter Mitarbeit von Natalja Sharandak.
"Es gelingt ihm tatsächlich wie in einem Brennglas die politische, gesellschaftliche Situation der Menschen individuell zu machen, unmittelbar an die Figuren zu führen. In einer Montagetechnik wie im Film, mit Schlaglichtern, Perspektivwechseln, einem Mosaik an Szenen." Olga Hochweis, Deutschlandradio Kultur - Lesart, 12.12.2016


 

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Buch zur News:

Viktor Schklowskij

Sentimentale Reise

Die Wiederbelebung eines Klassikers der sowjetischen Literatur – 100 Jahre nach der Russischen Revolution von 1917.
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Sentimentale Reise
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