01. November 2017

Blick hinter die Kulissen: Die Gestalterin Paulina Altmann über »Manette Salomon« von Edmond und Jules de Goncourt

Die berühmten Brüder Goncourt führen ein in die Salons und Ateliers, ihr Roman ist ein Sittengemälde aus dem Pariser Kunstbetrieb des 19. Jahrhunderts. Caroline Vollmann hat ihn erstmals in Deutsche übertragen, Alain Claude Sulzer hat das Nachwort verfasst. Paulina Altmann erzählt uns von der Gestaltung dieses Bandes:

Ich begann meine Arbeit an »Manette Salomon« damit, einen Eindruck von dem Thema und der Sprache des Romans zu gewinnen. Die Brüder Edmond und Jules de Goncourt lassen in ihrem Buch die Pariser Kunstszene des 19. Jahrhunderts weitschweifig und schillernd lebendig werden. Außerdem sah ich mir die französischen Originalausgaben von »Manette Salomon« an und recherchierte Kunstwerke französischer Maler, die in dem Roman vorkommen.

Als erster gedanklicher Leitfaden war schnell der Pariser Salon gefunden: Der Ort, der im 19. Jahrhundert Mittelpunkt und Bühne des französischen Kunstbetriebs war. In den ersten Entwürfen stellte ich noch recht abstrakt mit einer Vielzahl von goldgerahmten Stanzungen, die den Blick auf den Einband frei geben, den Bezug zu den dichtbehängten Bilderwänden des Salons her. Später fand ich den alten Stich, der schließlich die Buchschlaufe zieren sollte. Er zeigt neben der Bildergalerie auch das gesellschaftliche Ereignis und stimmt damit noch auf einer zweiten Ebene auf das Buch ein. Szenen aus Paris und dem Louvre zieren auch das Vor- und Nachsatzpapier und begleiten den Leser ins Buch und hinaus.

Nun stellte sich die Frage, worauf die Stanzungen der Buchschlaufe den Blick frei geben sollten. Ein Gemälde von Manette vielleicht? Ich wünschte mir stattdessen echtes Marmorpapier für den Einband: Die strudelartig vermischten Farben und die besondere Herstellungsweise, die jedes Papier zum Unikat macht, lassen für mich eine Mischpalette mit edlen Farben, aber auch die Ausschweifungen eines Künstlerlebens anklingen. Außerdem schlägt das Papier auch eine Brücke zu Büchern jener Zeit – es wurde damals häufig als Bezugs- und Vorsatzpapier verwendet. Die Farben, die sich in dem Marmorpapier mischen, zusammen mit einem komplementären Türkis, bestimmten dann auch das Farbklima des Buchs.

Bilderrahmen spielen noch eine weitere Rolle im Innenteil des Buchs. Die Kapitel sind nur durchnummeriert und tragen keine Titel. Das gab mir die Möglichkeit, für jede Nummer einen eigenen kleinen Rahmen zu zeichnen. Die Rahmen lassen zwar historische Elemente anklingen, sind aber eher grafisch abstrahiert. Eine weitere kleine Galerie verschiedener Formen sind die Asteriske. Da es sehr viele Anmerkungen zu dem Text gibt, manchmal 10 auf einer Seite, wollte ich nicht mit Nummern arbeiten, die schnell unschöne Löcher ins Satzbild reißen. Stattdessen kommen 15 verschiedene Sternchen zum Einsatz. Als Textschrift wählte ich die »Mauritius« (von Georg Trump / Patrick Griffin), die mit ihren herrlich ausdrucksstarken Formen gut mit den grafischen Elementen korrespondiert und deren plakative, schmale Schnitte für die Titelei bestens geeignet waren.

Ich bin sehr froh über die Zusammenarbeit mit Katrin Jacobsen und Katja Jaeger, die mich bei der Gestaltung von »Manette Salomon« begleitet haben und manche herstellerischen Fragen für mich gelöst haben – zum Beispiel, wo man heute noch Marmorpapier herbekommt; oder die wunderbar exakt mit dem Bildmotiv übereinstimmenden Stanzungen auf der Buchschlaufe.

 

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Buch zur News:

Edmond & Jules de Goncourt

Manette Salomon

Opulente Beschreibungskunst in einem Künstlerroman aus dem 19. Jahrhundert – erstmals ins Deutsche übersetzt
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Manette Salomon
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