20. Juni 2017

»Mindestens 12 x glücklich im Jahr« - Eine Rede zum Abschied von Katrin Jacobsen

Katrin Jacobsen hat als Herstellungsleiterin seit März 2015 die Bände unserer Anderen Bibliothek betreut, nun wechselt sie nach Köln. Christian Döring hat sie im Aufbau-Haus mit einer Laudatio verabschiedet:



Mindestens 12 x glücklich im Jahr

»Gut gelaunte Grüße, wie immer, wenn ein Titel im Druck ist.«

Wer solche Sätze schreibt, den wollen wir uns als einen glücklichen Menschen vorstellen. Katrin Jacobsen (im engsten Kreis der Anderen Bibliothek unter dem Einfluss des jüngsten Kollegen auch KJ – sprich Kijai – getauft) ist ein glücklicher Mensch mindestens zwölf Mal im Jahr, so oft, wie ein Monatsband von ihr express zur Druckerei befördert wird. Wie sich die Glücksgefühle vervielfachen bei den großformatigen Foliobänden oder gar vermindern bei unseren kleinen Büchern (glücklicherweise nur einmal im Jahr), das können wir nur ahnen. Aber dieses Glück, das zu einem solchen für andere wird, uns Kollegen und Kolleginnen zuallererst, dann für die ästhetisch anspruchsvollen Leserinnen und Leser, es stellt sich KJ selbst her: schließlich ist sie Herstellerin, sogar leitend.

Es muss für sie eine erschöpfend-schöpferische Arbeit sein, die mitunter zum »schönsten Buch« im deutschsprachigen Raum führt und preisbedacht wird. Zu solchen Anlässen verdient KJ wie ein echter Profi Preisgeld – denn bekanntlich gibt KJ ansonsten viel Geld aus. »So, jetzt aber Volldampf bei der AB, Satzkosten hin oder her.« Wer solche Sätze schreibt, wird geradezu geliebt, und vom Lektorat, wiewohl sie ein köstlich exterritoriales Verhältnis zur Duden-Rechtschreibung pflegt, geradezu neidvoll verehrt: »Sonst muss ich selber schreiben, um auf den Umfang zu kommen.« Wir wollen nicht verschweigen, es gibt auch gefürchtete Sätze, die beginnen harmlos mit einem freundlichen »Nun brauche ich aber endlich ...« Aber auch solche Worte von ihr haben wir natürlich nötig. Es ist der Charme, der sie (die Worte natürlich) erträglich werden lässt.

Es ist 60 Bände her – aber vielleicht sind es auch viel mehr –, wie eine schöne Ewigkeit jedenfalls, dass Frau Jacobsen (den jungen Kollegen gab es damals noch nicht) im Nachbarbüro, naturgemäß in einer der Ausstellungsvitrinen des Verlages, saß. Es war der Charme des stillen Errötens, mit dem sie die schwierige Nachbarschaft für sich beharrlich eingenommen hat, verbunden mit diesem gepflegt liebenswerten Akzent, der ihre Herkunft aus dem Münchner Raum verrät. Dorther kam die Tochter aus gutem Haus nach den entsprechenden Umwegen bei renommierten Häusern, ein wenig London war auch dabei. Weitläufig gebildet, vom Stepptanz über die Liebe zur Malerei – und zum Pferd. (Die Insignien in einem immer wohlgeordneten Büro geben bildliche Auskunft, die beiden Kakteen auf dem Fenstersims wirken freilich deplatziert.)

Wir berühren möglicherweise Abgründe und enden mit dem Namen des Lieblingspferds: Overdose. Jedenfalls kam KJ vom Pferd zum Buch. Da auch Diskretion zu KJs schönen Tugenden zählt, von denen wir dispensiert sind, war all das erst später in Erfahrung zu bringen. Beim Lieblingseis – Nocciolo und Himbeer – während eines notwendigen »Betriebsausflugs« nach Venedig: wo sie sich klimatisch-kunsthistorisch fast zu Hause fühlt, und wo wir die nächsten 60 Bände vorbesprochen haben, damit unsere Andere Bibliothek schön bleibt, wenn die Nachbarin ihre wunderbaren Sätze am Rhein allmählich einköllscht und uns Zurückbleibenden der Neid auf die künftigen Kollegen, denen sie viel mehr Bücher herstellen wird als uns – und die Erinnerung bleibt.

KJ wird ein glücklicher Mensch bleiben.

Christian Döring

 

(Porträtfoto Katrin Jacobsen © Michaela Philipzen, Foto Laudatio © Reno Engel)

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