22. Februar 2017

Blick hinter die Kulissen: Die Gestalter Christine Lange und Patrick Marc Sommer über "Entkommen oder Not macht erfinderisch"

„Entkommen oder Not macht erfinderisch“ ist eine ganz und gar unkonventionelle Materialsammlung. In erzählten oder nacherzählten Geschichten, in exemplarischen Dokumenten und Bildern erkunden Frank Böckelmann & Dietrich Leube Bedrohungen, Katastrophen und Auswege aus der Not.

Christine Lange und Patrick Marc Sommer haben den Band gestaltet und geben uns einen Einblick in ihre Herangehensweise:

"Die erste Information, die wir vom Verlag zum Buch erhielten: es ginge um Katastrophen. Das war zunächst kryptisch – aber durchaus interessant.
Es folgte der Titel: »Entkommen oder Not macht erfinderisch – Auswege in Wort und Bild«. Das war eine vielversprechende Andeutung.
Aber durch das erste Exposé wurde klar, worum es geht: Nicht die Katastrophen an sich, sondern die Geschichten um sie herum stehen im Fokus, die Auswege, Möglichkeiten und Neuanfänge. Allein durch diesen kurzen Einblick, als Beispiel in die Mythologie der Tsunamis, wurde unser Interesse sofort geweckt und zusätzlich deutlich, dass durch die Vielfalt dieser Materialsammlung die Gestaltung einen konzeptstarken Überbau benötigt.

Unsere Gestaltung begann mit der Buchschlaufe, da deren Motiv schon viel früher für die Programmvorschau benötigt wurde. Die Autoren Frank Böckelmann und Dietrich Leube schickten uns als ersten Input das Foto, welches es nun auch auf das Cover »geschafft« hat. Neben diesem, eine Vielzahl weiterer Bilder, die im Innnenteil auftauchen sollten.

Der Titel trägt eine gewisse Ironie und stellt in erster Linie die Auswege aus einem Unglück in den Vordergrund, nicht die Geschehnisse an sich. Ebenso indirekt und ironisch verhält sich auch das Foto, auf dem eine Gruppe von Männern zu sehen ist, die aufgereiht auf einer Promenade stehen und etwas durch ihre Ferngläser beobachten. Es zeigt auf witzige Art das Beobachten (durch das Fernglas, also aus der Distanz) und ergänzend die Neugierde, die unser Interesse an Geschichten und Erzählungen wie diesen weckt.

Die Gestaltung des Titels haben wir anfangs ebenso indirekt versucht. Der erste Ansatz bezog sich auf die Ferngläser und war in der Umsetzung, eine komplett grafische Lösung. Abgebildet wurde ein Lichtstrahl, der sich seinen Weg durch das Linsensystem eines Fernglases bahnt, das im übertragenen Sinn das »Auswegsuchen« darstellen sollte. Es zeigte sich jedoch schnell, dass das zu sehr um die Ecke gedacht war und wenig eingängig – ein Cover muss auf den ersten Blick funktionieren. Vor allem kam hinzu, dass fast jeder Geschichte im Innenteil ein Bild zugeordnet wurde und es somit auch gut wäre, auf dem Titel mit einer Fotografie zu arbeiten, um das Buch damit einzuleiten.

Im nächsten Schritt arbeiteten wir mit den gelieferten Bildern und hatten einige skurile sowie spektakuläre ausgewählt. Nach einigen Ansätzen gingen wir dennoch zurück zum Anfangsmotiv, da es genau die Spur Indirektheit und Ironie beinhaltet, welche der Titel benötigt. Durch den Blick durch die Schlaufe, äquivalent zum Blick durch ein Fernglas, fanden wir eine interessante Doppelung im Sinne von einem Blick aus zwei Perspektiven.

Farblich wollten wir mit hohen Kontrasten arbeiten, so wie einer Katastrophe eine sich daraus ergebende Möglichkeit folgt und wir es mit zwei kontrastierenden Seiten zu tun haben. Damit wurden das Dunkelblau und das dem entgegengesetzte Gelb zu unseren Hauptfarben. Auch hatten wir bei diesen Signalfarben das Warnende und damit Dramatische im Kopf.

Das Buch gliedert sich in sieben Hauptkapitel und diverse Unterkapitel. Fast jedem Text ist ein Bild zugeordnet, was in den meisten Fällen assoziativ zu verstehen ist und damit eher illustrativ eine Ergänzung darstellt. Zusätzlich gibt es zwischen den Hauptkapiteln großzügig platzierte, doppelseitige Fotografien, die das folgende Kapitel einleiten. Um dies alles zu deckeln, brauchte es ein klare Struktur und Hierarchie, vor allem auch entsprechende Ruhepunkte, welche wir mit den farbig hinterlegten Kapiteltrennern schaffen wollten.

Es gibt eine Vielzahl externer Texte, die für sich, aber auch zusammen mit den Autorentexten stehen. Um dort eine Trennung zu schaffen, haben wir uns für zwei verschiedene Leseschriften entschieden. Die Autorentexte sind in der »Farnham Text« (Serifen) von Christian Schwartz, ergänzend dazu, die externen Texte in der »Helsinki« von Ludwig Übele gesetzt. Beide Schriften sind sehr unterschiedlich, kontrastieren in ihrem Grauwert allerdings so wenig, dass sie gut harmonieren."

Wir bedanken uns bei Christine Lange und Patrick Marc Sommer! (Portraitfoto Langesommer © Daniel Kuhlmann)
 

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Buch zur News:

Frank Böckelmann & Dietrich Leube

Entkommen oder Not macht erfinderisch

Das Brevier für alle Notlagen. Eine Katastrophenerkundung in Bildern und Geschichten. Ein Buch zum Überleben.
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Entkommen oder Not macht erfinderisch
42,00 EUR
02.2017
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