11. Januar 2017

Blick hinter die Kulissen: Die Gestalterin Manja Hellpap über "Der Schweizerische Robinson" von Johann David Wyss

"Der Schweizerische Robinson" ist ein Werk der Aufklärung, ein Abenteuerbuch, eine fantasievolle Robinsonade. Der Berner Pfarrer verfasste es vor über 200 Jahren für seine Kinder, es wurde zu einem internationalen Erfolg und später mehrfach verfilmt. Die Andere Bibliothek hat nun die ursprüngliche Textfassung wieder zugänglich gemacht – erstmals mit allen Illustrationen aus der Original-Handschrift und mit ausklappbaren Zeichnungen.

Manja Hellpap hat den Band gestaltet und schildert uns im folgenden Text ihre Überlegungen:

"Um zu meinem Entwurf des »Schweizerischen Robinsons« zu finden, ging ich anfangs ähnlich vor wie schon bei »Nils Holgersson«: Ich suchte und fand verschiedene antiquarische Ausgaben des Titels, mit denen ich mich näher beschäftigte. Sie waren gestalterisch sehr unterschiedlich angelegt; gemeinsam war ihnen der Oberbegriff »Abenteuer«, also recherchierte ich im nächsten Schritt die Gestaltung von Abenteuerliteratur zur Zeit der ersten Veröffentlichung »meines« Titels.

Die ersten Entwürfe für die Schlaufe zeigten zu Beginn ganz unterschiedliche Varianten, in denen Rahmen und Ornamente eine große Rolle spielten. Letztlich fiel die Entscheidung auf einen relativ zurückgenommenen Entwurf, der das Baumhaus der gestrandeten Familie (als Lebensmittelpunkt und Rückzugsort ein zentrales Motiv des Buches) in leuchtenden Farben zeigte.

Bei der Schrift- und Farbwahl war das große Thema »Robinsonade« immer präsent – der Gedanke an die einsame Insel, deren Reichtümer sich die Gestrandeten nach und nach zu erschließen lernen, die eine Gegenwelt zur eigenen bedeutet, eine wundersame, bunte Welt, die es sich anzueignen gilt. Das neu entstehende Buchobjekt sollte eine Komprimierung dieser Insel sein, eine Erinnerung an Inselzeiten für lange, graue Wintertage. Deshalb das leuchtende Rot, das als Träger der Handschrift des Verfassers auf dem Vorsatz flächig in die Inselwelt hineinführt, dann weiter zum Schmutztitel und der Titelei, hier als Grund der Karte, die nicht fehlen darf. Es behält seine leitende Funktion auf den linken Eingangsseiten zu den vier einzelnen Büchern des Werks.

Die darauf folgenden Kapitelanfänge stellten eine gestalterische Herausforderung dar, weil sie übersichtlich kurz begannen, sich aber in den letzten Kapiteln zu vielzeiligen Titeln fortentwickelten. Weil mir eine deutliche Plakativität der Kapitelanfänge bei mehr als 1000 Seiten wichtig war, ließ ich die Titel laut und groß beginnen und sie dann, bei den mehrzeiligen Varianten, kaskadenartig kleiner werden, so dass sie trotz ihres Umfangs übersichtlich blieben und im gesamten Buch aus einem Guss sein konnten. Ergänzt wurde die Kapitelanfangsgestaltung jeweils durch illustrative Details aus den vielen doppelseitig gezeigten Abbildungen.

Dankbar war ich für die Entscheidung des Verlags, die vorhandenen vierfarbigen Illustrationen (zusätzlich zu den ursprünglich in Sepiatönen vorliegenden, in dieser Ausgabe im Duplex gedruckten Abbildungen) als Klapptafeln zu integrieren und so ihre originäre Farbigkeit zu erhalten; schön auch der papierbedingte Kontrast der Tafeln zum auf Dünndruckpapier gedruckten Innenteil.

Von den verschiedenen im Entwurf ausprobierten Schriften machte die »Augustea« das Rennen, auf allen 1148 Seiten ruhig gesetzt von »Dörlemann Satz«. Ich hätte mir im Fließtext zusätzlich eine Differenzierung in Form von verschiedenen Schriftarten für die Namen der einzelnen Protagonisten gut vorstellen können.

Der Einband zeigt, analog zur Schlaufe, eine einzelne entscheidende Szene, gedruckt auf ein strukturiertes Papier. Eine leise Reminiszenz an die schweren Einbände der zugrundeliegenden Handschrift – mit deren Reproduktion als Rahmung des Inhaltsverzeichnisses und als Wiederaufnahme auf dem Nachsatzpapier das Buch auch schließt."

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Buch zur News:

Johann David Wyss

Der Schweizerische Robinson

Ein Fund der Anderen Bibliothek im schweizerischen Bern: die Handschrift einer erzieherischen Robinsonade.
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Der Schweizerische Robinson
68,00 EUR
12.2016
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