30. April 2020

Mehr Biografisches zu Grimmelshausen und Vorfreude auf das "Literarische Quartett"

Da wir uns auf die morgige Sendung „Das Literarisches Quartett“ beim ZDF freuen, wo der Band Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen vorgestellt wird, hier mehr zu seiner Biografie Grimmelshausen. Leben und Schreiben. Vom Musketier zum Weltautor von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz:

 

"Grimmelshausen hat mit seinem Namen und seiner Herkunft Verstecken gespielt. Das gehörte zu seiner literarischen Existenz; denn die Verkehrte Welt, die ihm mit dem Dreißigjährigen Krieg entgegentrat, war durch Lug und Trug, Krieg und Gewalt gekennzeichnet. Also legte er sich „verkehrte Namen“ zu, Anagramme, die Jahrhunderte lang niemand enträtseln konnte. Als man dann zu Anfang des 19. Jahrhunderts Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen als den Verfasser der simplizianischen Schriften identifiziert hatte, wusste man auch nicht viel mehr über sein Leben und die Umstände seiner literarischen Existenz.

Das forderte Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz heraus. Sie konnten nicht wenige Taten und Daten seines Lebens entschlüsseln. Die wichtigste Frage ihrer Biografie lautet: wie kann ein einfacher Soldat fast ohne Schulbildung während des Dreißigjährigen Krieges gleichsam Protokoll führen über die Schlachten, die Märsche, Plünderungen und Brandschatzungen dieses grausam geführten Krieges. Wie konnte jemand, der später als Schaffner eines Adligen, Gastwirt und Bürgermeister einer kleinen Stadt in der Nähe von Straßburg Weltliteratur verfassen? Wie kam er an Bücher, woher nahm er die Zeit, um tausende von Seiten schreiben zu können? Vieles fand sich in Archiven, auch in Studien von Wissenschaftlern. Manches entdeckten die beiden „Literaturdetektive“, weil sie andere Fragen stellten als die ihrer Vorläufer. Es hieß, Grimmelshausen habe die Bücher von seinem Stiefgroßvater aus Frankfurt bekommen, der ein Verleger war. Er war aber auch Buchhändler und hat den offenbar hochbegabten und lesehungrigen jungen Schüler mit Bergen von Literatur versorgt. Der Schlüssel fand sich aber letztlich bei der Lektüre des Simplicissimus. Es kommt sehr oft im Text vor, dass sich der gewitzte Narr Simplicius zwischen den Schlachten zurückzog, um eine Art Bildungsurlaub zu absolvieren. Mit Vorliebe bei Pfarrern lieh er Bücher und verwickelte sie in gelehrte Gespräche.

Ein roter Faden läuft, wenn auch oft verborgen, durch das Buch, eine dringende Empfehlung: man kommt durch diesen Krieg im besonderen und durchs Leben allgemein am besten durch lesen und schreiben und ständiges Studium kluger, auch frommer, Bücher. Und mit einer schelmischen Narrheit. Die Biografie führt auf gut zu lesende Weise in die verworrene Lebensgeschichte und das wunderbare Werk Grimmelshausens ein."

 

Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz Grimmelshausen.

Leben und Schreiben. Vom Musketier zum Weltautor

Extradruck der Anderen Bibliothek von Band 323

 

 

 

Das Literarische Quartett, 1.Mai 2020, 22:45 Uhr

Zu sehen beim ZDF oder in der ZDF-Mediathek unter:

https://www.zdf.de/kultur/das-literarische-quartett

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Buch zur News:

Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz

Grimmelshausen

Die erste moderne Biografie des deutschen Barockschriftstellers
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Grimmelshausen
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03.2018
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