14. November 2019

Blick hinter die Kulissen: Die Buchgestalterin und Illustratorin Franziska Neubert über ihre Arbeit an der »Pfingstrosenlaterne« .
 

Heute gab es in der FAZ eine gelungene Rezension zum Buch, die loben die Holzschnitte erwähnt:

"Die tempo- und fintenreiche Story bietet ebenso vergnügliche wie gruselige Einblicke in Japans Geistes- und Geisterwelt. (…) Atmosphärisch-suggestive Holzschnitte der Leipziger Grafikerin Franziska Neubert als Bilderbögen aus dem Zwischenreich sowie Martina Schönbeins informatives Nachwort erweitern die Lektüre zum ganzheitlichen Gruselgefühl und Schmökergenuss."  Steffen Gnam, FAZ, 14.11.2019
 

Passend dazu gibt Franziska Neubert nun einen „Blick hinter die Kulissen“:

 

"Ich habe es wieder getan. Die Pfingstrosenlaterne ist nach Lafcadio Hearns Japans Geister (als Extradruck von Band 372 erhältlich) das zweite »japanische« Buch, das ich für die Andere Bibliothek bebildern durfte.
Für mich war es erneut eine aufregende imaginäre Wanderung durch ein mir immer noch unbekanntes Land aus einer anderen Zeit. Beides – das Land und die Zeit – lässt mich nicht los. Dort, im alten Japan, gab es Gegenstände, von denen ich nie zuvor gehört hatte. Inros zum Beispiel. Das sind kleine Behälter, die, weil es in der Kleidung für Männer keine Taschen gab, dem Transport von kleinen Dingen dienten. Diese Inros wurden wiederum an einem Obi befestigt. Was assoziieren wir, weit von Japan entfernt, mit diesem Wort? Obi? Star Wars, einen Baumarkt?!
Ein Obi ist ein Gürtel. Er wurde um den Kimono gebunden, den ein Samurai im Alltag trug. Über ein solches Detail, ein Accessoire, hat sich mir – in der Auseinandersetzung mit der Pfingstrosenlaterne – eine ganze visuelle Welt erschlossen: Muster, Rüstungen, Schwerter, Gürtel und ihre Bindetechniken, Schuhwerk, Architektur. All das war und ist anders – und so faszinierend für mich. Ebenso wie die versunkene Welt der Samurais, in der diese Dinge und die dazugehörigen Kodizes zu verorten sind. Sie wirken so seltsam und fremd, jedenfalls für mich. Und sie wirken zugleich bis heute nach. Vermutlich kann der, der das alte Japan nicht kennt, das Japan von Heute nicht verstehen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es in diesem klassischen Text zeitlose, überall auf der Welt geläufige Themen: Dreiecksgeschichten, Ärger in der Familie, Missgunst und auch Glück.
Die Brücke zwischen den beiden Polen? – dem Fremden und dem Bekannten – war für mich der Holzschnitt.
Der japanische Holzschnitt eröffnete mir eine Bildwelt, der ich nur mit großer Demut begegnen kann. In seiner Präzision, der Detailgenauigkeit und seiner komplexen Narrativität ist und bleibt er unerreicht. Zunächst erschien es mir unmöglich, eine japanische Bildwelt mit dem Holzschnitt zu entwerfen/komponieren. All das, was in der Pfingstrosenlaterne beschrieben wird, gibt es schon in den Bildern dieser Technik zu sehen.
Was hatte ich dieser Geistergeschichte aus dem 17. Jahrhundert beizufügen? Der Holzschnitt ist auch meine Technik, auch wenn ich ihn ganz anders einsetze. Ich habe drei Sonderfarben verwendet: Farben, die besonders leuchten. Die Kapitelanfänge sind so gestaltet, dass sie sich von der Nacht zur Morgendämmerung hin grafisch verändern. Die Bilder schließlich zitieren die Edozeit, die Epoche zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert. Ebenso enthalten sie neue, heutige Motive, Fundstücke meiner gedanklichen Reise durch das alte Japan. Ich habe sie an meinem Obi in meinem imaginären Inro aufbewahrt. Japonismus? Vielleicht. Entscheiden Sie selbst.
Beim ersten Lesen des Textes war ich an manchen Stellen von der Grausamkeit der Handlung schockiert, aber je öfter ich ihn las, um so mehr entdeckte ich Schilderungen und Details, die mich in ihren Bann zogen und mir im Gedächtnis bleiben werden. Auch werde ich zeitgenössische japanische Literatur, wie z.B. Haruki Murakamis »1Q84« nun anders lesen.

Apropos: Die Platten für meine Holzschnitte – zusammen mehrere Quadratmeter – habe ich in einem Baumarkt gleichen Namens erworben…

Ein Dank gilt Katja Jaeger, die das Buch vorzüglich ausstattete und große Geduld bewies."

 

Für die Fans von Franziska Neuberts Grafikarbeiten gibt es auch eine Vorzugsausgabe des Bandes "Die Pfingstrosenlaterne" mit einer Leinen-Kassette und mit einem Original-Holzschnitt auf Japanpapier gedruckt. Zu bestellen auf der Seite lieblingsdruck.de

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Buch zur News:

Sanyutei Encho

Die Pfingstrosenlaterne

Eine Gespenstergeschichte aus dem 17.Jh. die erzählt, wie zwei Schönheiten aus dem Jenseits einem jungen Mann die Lebensgeister aussaugen.
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Die Pfingstrosenlaterne
44,00 EUR
10.2019
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