26. Juni 2019

Blick hinter die Kulissen: Die Designagentur BANK™ (unsere Nachbarn im Aufbau Haus) über ihre Gestaltung des Buches Kubinke von Georg Hermann

Kubinke ist ein unterhaltsamer, feiner und dennoch tragischer Berlin-Roman. Der sensible und warmherzige Protagonist und Friseurgehilfe Emil Kubinke ist dem turbulenten Großstadtleben der damaligen Zeit, dem heiteren Treiben der Berliner und ihrer ›Berliner Schnauze‹, dem groben Witz, nicht gewachsen. Seine träumerischen Hoffnungen auf die große Liebe und gesellschaftlichen Aufstieg erfüllen sich nicht. Die Geschichte nimmt kein gutes Ende.
Frech wie der Berliner Dialekt ist das kräftige Orange des Schubers, dass dem Betrachter ins Auge springt. Ein Scherenschnitt-Portrait Kubinkes, sein Berufswerkzeug Schere und Kamm sowie eine umtriebige Berliner Straßenkreuzung, die in einer düster-diffusen Wolke zu verschwinden scheint, lassen die gegensätzlichen Innen- und Außenwelten des Protagonisten spürbar werden. Der Schriftzug ›Kubinke‹ auf dem Buchumschlag scheint ins Stolpern zu geraten, mit dem letzten gekippten ›E‹ fällt gleichsam der Protagonist selbst.
Das Buch selbst ist im Gegensatz zum Schuber bewusst einfarbig gehalten und wartet neben Blindprägungen auf Vorder- und Rückseite mit einer ungewöhnlich rauen Oberfläche auf – ein augenzwinkernder Verweis auf die berüchtigte Berliner Grobheit, zu der es vortrefflich passt, dass die reizvolle Oberfläche des Papiers durch eine Beschichtung mit Kartoffelmehl erreicht wird …
Für den Textsatz des Innenteils verwendeten wir die Schrift Sang Bleu Republic in einem angenehm großen Schriftgrad mit eher wenig Zeilenabstand; unprätentiös und – einem Roman angemessen – hervorragend lesbar. Sang Blue ist eine neue Schweizer Schrifttype, die den Vorzügen klassischer Buchschriften einen zeitgenössischen Dreh gibt.
Die Geschichte spielt 1908, in der Zeit des ausklingenden Kaiserreichs – der Zeit der Überschneidung von Gründerzeit, Jugendstil und Moderne. Ein formaler Bezug zur vielfältigen Typografie der damaligen Zeit war ausschlaggebend für die Wahl der leicht grotesk anmutenden, geometrisch-ornamentalen Titelschrift des Umschlags, Separat. Diese findet sich auch im Innenteil auf einigen wenigen Seiten, wie z.B. dem Vorwort und den schwarzen die Kapitel trennenden Seiten. Dass die Kapitel stets mit beidseitig schwarzen Seiten beginnen, ist ungewöhnlich für einen Roman, fällt im Buchschnitt auf und scheint zudem den unterschwellig bedrückenden Charakter der Geschichte wiederzugeben.“
 

zurück

Buch zur Buchkunst:

Georg Hermann

Kubinke

Berlin 1908: Tod eines Träumers mit Herz
Mehr
Kubinke
42,00 EUR
06.2019
1 x 'Kubinke' bestellen Warenkorb