19. April 2018

Blick hinter die Kulissen: Die Gestalterin Manja Hellpap über »Metamorphosen oder Der goldne Esel« des Apuleius, den 400. Band unserer monatlichen, nummerierten und limitierten Originalausgaben

Apuleius erzählt von Lucius, der, durch eine falsche Zaubersalbe verwandelt, als Esel mit Menschenverstand durch eine unglaubliche Fülle spannender und komischer Erlebnisse gewirbelt wird. Mit diesem berühmten Roman voller Liebes-, Gauner- und Schelmengeschichten knüpfen wir an den ersten Band der Anderen Bibliothek an, die »Lügengeschichten und Dialoge des Lukian von Samosata. Manja Hellpap erzählt uns von ihrer Arbeit am Jubiläumsband:

»Eben fuhr Aurora, ihren Rosenarm über das purpurne Gespann geschwungen, den Himmel herauf: als mich, der sorgenlosen Ruhe entrissen, die Nacht dem Tage wiedergab.«
   
Von erzählerischer Überladenheit und sprachlichen Ausschweifungen ist die Rede, von satirischer Unterhaltungsliteratur voll skurriler Ereignisse. Apuleius’ »Metamorphosen« wurden in den fast 2000 Jahren ihrer Rezeption Geschwollenheit und Chaos attestiert, gleichzeitig wurden Hohelieder auf die kunstvoll verwobene Textstruktur und die formale Vielschichtigkeit des Romans gesungen. Ein eigensinniger, stellenweise sperriger, auf vielen unterschiedlichen Wegen zu ergründender Text lag also vor mir, zu dem der Zugang ganz unterschiedlich aussehen konnte.

 

Entsprechend bunt waren auch die ersten Entwürfe, für die ich mich aller möglichen Elemente bediente, nur nicht dem Motiv »Esel« und der Farbe Gold – denn das wäre ja zu naheliegend gewesen. »Amor und Psyche« in diversen Varianten tauchten auf, als Gemälde, als historische Illustrationen des Romans im Original, verfremdet, gerastert, stilisiert. Das Ergebnis: Es war alles zu viel.

 

So schaffte es letztlich doch der Esel bzw. der sich in ihn verwandelnde Protagonist Lucius auf den Einband, und nur er. Ganz pur, in schwarz, auf einem hochweißen, strukturierten Papier, das einen optischen und haptischen Kontrast zur Schlaufe in Gold bildet, die nicht nur auf den Romantitel Bezug nimmt – sondern auch darauf, dass es etwas zu feiern gibt: den 400. Band der »Anderen Bibliothek«.

 

Das Gold leitet über das Vorsatz in den Innenteil, wo es die Auszeichnungsschriften belebt. Der Titel auf der Schlaufe, gesetzt in der »Brandon Grotesque«, nimmt das Weiß des Einbands auf und steht in seiner räumlichen Anordnung für die gesprochene Sprache: Der Überlieferung nach war Apuleius nicht nur Autor und Philosoph, sondern auch Rhetoriker.

 

Im Innenteil spielt die räumliche typografische Darstellung nur bei den Kapiteleingängen eine Rolle; ansonsten war es mein Anliegen, die halb ironisch, halb ernsthafte Berg- und Talfahrt des Protagonisten dem Leser und der Leserin möglichst ruhig anzubieten. Für die Textschrift habe ich die »Lapture« von Tim Ahrens (nach Albert Kaprs »Leipziger Antiqua«) gewählt. Mit ihren kleinen Brüchen als stillem Verweis auf die Ambivalenz des Textes war sie genau richtig. Die ruhigen Illustrationen begleiten nur die Kapiteleingänge. Am Buchende steht das Mühlrad still; der Esel hat seinen Dienst getan.

 

Wir danken Manja Hellpap herzlich für diesen wunderschönen Band!

 

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Buch zur Buchkunst:

Apuleius

Metamorphosen oder Der goldne Esel

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Metamorphosen oder Der goldne Esel
42,00 EUR
04.2018
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