28. Januar 2020

Blick hinter die Kulissen: Die Gestalterin Marion Blomeyer über ihre Arbeit an Pfade in der Wildnis von Grey Owl.
 

Als ich die Anfrage der Anderen Bibliothek bekam, ob ich dem Buch Pfade in der Wildnis ein Gesicht geben möchte, war ich sofort neugierig – was für eine ungewöhnliche Geschichte: Ein Aussteiger der besonderen Art, ein Mensch, der Anfang des 20. Jahrhunderts von England nach Nordkanada aufbricht, um sein Leben in der Zivilisation gegen eines in der Wildnis einzutauschen, und der mit neuer Identität Ideen von höchster Aktualität formuliert: Naturschutz, Zivilisationskritik, Ökologie.
Vor mir lagen eine Reihe historischer schwarz-weiss Fotografien, einige Skizzen und ein umfangreicher Text. Ich begann zu lesen, zu recherchieren und weiteres Material zu suchen.
Zwei Bilder erschienen mir besonders geeignet:
Das eine zeigt eine kleine Figur in den Weiten der nordamerikanischen Landschaft. Die Natur wirkt hier übermächtig, der Mensch klein und unbedeutend, fast muss man nach ihm suchen. Auf eine Art verschmilzt er mit seiner Umwelt, auf eine andere Art verliert er sich darin. Tatsächlich sehen wir Grey Owl auf einem riesigen Flusslauf in einem Kanu sitzen.
Bei dem anderen Bild handelt es sich um eine Portraitaufnahme des Protagonisten mit Hut. Der Mann blickt ernst und entschlossen zugleich an uns vorbei in die Ferne. Was verrät das Gesicht über die Identität eines Menschen und über seinen Lebensweg? Ich hatte das Gefühl, die Verwandlung dieses Mannes vom Trapper zum Naturschützer in dieser Fotografie erkennen zu können; und auf jeden Fall einen aufmerksamen Beobachter und einen Menschen mit großen Visionen.
Das zweite Bild sollte es dann werden (das erste wanderte nach innen in den Bildteil zu anderen spannenden Motiven).
Um mir so etwas wie einen Setzkasten für die Gestaltung zu Buchkörper, Etikett und Innenleben zu schaffen, sammelte ich Bilder von Strukturen aus der Natur (Holz, Rinde, Gestrüpp, Federn, organische Formen). Ich untersuchte traditionelle Muster der nordamerikanischen Indianer, um herauszufinden, was typische Farben und Formen bei diesen Ornamenten sind. Und ich stellte einige Schriften zusammen, die mir geeignet erschienen – ein wenig rau, ein wenig ungeschliffen, dennoch passend zu der Zeit, in der der Text entstanden ist. Diese visuellen Bestandteile konnte ich dann wunderbar zu einem Ganzen zusammenfügen – und nachdem ein Buch ein dreidimensionaler Körper, ein kleines Objekt ist, fanden einige dieser Elemente einen geeigneten Platz. Dank der feinsinnigen Unterstützung von Katja Jaeger kamen dann noch die richtigen Materialien dazu. Vielleicht haben wir es geschafft, mit diesem Buch den Ideen von Owl Grey ein wenig gerecht zu werden: es geht um Nachhaltigkeit, ein Begriff, den es zu der Zeit, als dieses Buch verfasst wurde, noch gar nicht gab.
 

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Buch zur Buchkunst:

Grey Owl

Pfade in der Wildnis

Ein indianischer Öko-Pionier
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Pfade in der Wildnis
44,00 EUR
12.2019
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