Miklos Hernádi
Weiningers Ende

Hernádi, Miklos

Weiningers Ende

Ein Kriminalroman

Aus dem Ungarischen von Erika Bollweg

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»Mord und Philosophie.«
Die Geschichte des Oberinspektors Maximilian Barner von der Staatspolizei, Sektion für Nationalfragen, läßt sich an wie ein gemütlicher Kriminalroman aus der Zeit der k.u.k. Monarchie. Aber es ist kein gewöhnlicher Fall, der ihn beschäftigt. Denn der Tote, der da in einem schäbigen Wiener Zimmer gefunden wird, heißt Otto Weininger. Mit 23 Jahren hat dieser Philosoph ein skandalöses Werk hinterlassen. Geschlecht und Charakter so der Titel, hat bis in unsere Tage 36 Auflagen erlebt; dieses Buch gilt als extremes Beispiel für den jüdischen Selbsthaß und als antifeministisches Traktat.
Selbstmord - oder Mord? Der ratlose Inspektor sieht sich mit seltsamen Spuren konfrontiert, die er kaum zu deuten weiß: Tagebücher und Briefe des Toten, Hinweise auf antisemitische Machenschaften und terroristische Pläne. In seiner Recherche tauchen Figuren auf, die man in einem Kriminalroman nicht vermutet hätte: Karl Kraus, Siegmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Martin Buber, Georg Lukács und vor allem Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus.
Als tückisch erweist sich auch der gemütliche Ton, den der Erzähler anschlägt. Der Text wimmelt vor versteckten Zitaten. Es handelt sich um Pastiche, um eine Stilübung zwischen Mimikry, Dokumentation und Fälschung.
György Konrád sagt über Hernádi: Sein Blick auf das Wien und das Budapest des fin de siècle ist ebenso sarkastisch wie einfühlsam. Er sucht den gewittrigen politischen Horizont der mitteleuropäischen Jahrhundertwende ab und rekonstruiert die intellektuellen Abenteuer dieser Epoche an Hand eines rätselhaften Kriminalfalls. Das Resultat ist einer der bemerkenswertesten Romane, die in der letzten Zeit aus Osteuropa gekommen sind.«