Wegzeichen

Wegzeichen

Zur Krise der russischen Intelligenz

Nach dem Debakel der ersten russischen Revolution von 1905 -- das Imperium stand am Rand einer Katastrophe – unternahmen sieben namhafte Autoren einen Frontalangriff auf die heiligen Kühe der fortschrittlichen Intelligenz. Ihr Buch, Vechi, zu deutsch: Wegzeichen oder Wegmarken (Moskau 1909), war eine Sensation. Es wurde als Verrat an allen »linken« Traditionen aufgefaßt und rief mehr als 250 wütende Repliken hervor.
Ein Auszug aus dem Register der Vorwürfe, die die Vechi-Autoren ihren Weggenossen machten: Fanatische Intoleranz, Bekennertum, rigoroser Moralismus; Märtyrerallüren und messianische Verblendung; Prinzipienreiterei, Verachtung für die praktische Arbeit, ökonomische Ignoranz; mangelndes Rechtsbewußtsein und fehlendes Verständnis für demokratische Institutionen. Gegen die Tyrannei des Politischen nahmen die Vechi-Autoren das Individuum, seine schöpferischen Fähigkeiten und metaphysischen Bedürfnisse in Schutz. Sie traten für den Rechtsstaat und für eine Ethik der Toleranz ein. Diese Auseinandersetzung ist von mehr als historischem Interesse.