Brandstätter, Horst; Neuzner, Bernd
Wagner - Lehrer, Dichter, Massenmörder

Brandstätter, Horst; Neuzner, Bernd

Wagner - Lehrer, Dichter, Massenmörder

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Ein deutscher Todesengel.

An einem Septembertag des Jahres 1913 ermordete der Hauptlehrer Ernst Wagner aus Degerloch seine Frau und seine vier Kinder; dann machte er sich, in der Absicht, das ganze Dorf auszurotten, nach Mühlhausen an der Enz auf, steckte mehrere Häuser in Brand und schoss scheinbar wahllos in die Menge. Es gab neun Tote und zwölf Verwundete, ehe er überwältigt werden konnte. Zuvor hatte Wagner zwei Abschiedsbriefe »An mein Volk« und »An die Lehrerschaft« verfasst.*Wagner war kein gewöhnlicher Serienmörder. Er war ein Dichter. Seine Monumentaldramen wollte niemand aufführen. Über seine Mordpläne schrieb er: »Und ich lache dann so heil und schön, daß alle, die es hören, später sagen, es sei eines Engels Lachen gewesen«.*Wie in einem Brennspiegel sammeln sich in Wagners Schriften Motive aus dem Untergrund der »deutschen Seele«: Gewalt- und Sexualphantasien, Verfolgungs- und Größenwahn – Motive, die kurz darauf in Hitlers Buch Mein Kampf wiederkehren.*Wagner starb 1938 in der Heilanstalt Winnental, wie er selbst sagte, als der »erste Nationalsozialist« des Hauses, zwei Jahre bevor von dort aus 396 Patienten zu ihrer Ermordung nach Grafeneck und Mauthausen abtransportiert wurden.*Bernd Neuzner und Horst Brandstätter rollen in ihrem Buch den Fall Wagner anhand von Akten und psychiatrischen Gutachten, vor allem aber mit Hilfe von eigenen Äußerungen des Täters auf. Hermann Hesses Novelle Klein und Wagner aus dem Jahr 1919, inspiriert von der Figur des Massenmörders, rundet die Dokumentation dieses merkwürdigen Verbrechens ab.