Wiliam Gerhardie
Vergeblichkeit

Gerhardie, William Alexander

Vergeblichkeit

Roman

Aus dem Englischen von Elisabeth Schnack

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Ein Engländer in Tschechows Jacke.
»Es lebt, es ist warm; man kann es weglegen, und es atmet weiter«, schrieb Katherine Mansfield, eine der ersten Leserinnen, über dieses Buch. Das kann man wohl sagen. 1922, als es erschien, war der Autor mit 27 Jahren eben erst aus Sibirien, wo er der britischen Militärmission angehörte, zurückgekehrt, und sein Roman war ein Geheimtipp. Ein Außenseiter ist Gerhardie geblieben, aber »Vergeblichkeit« ist zu einem stillen Klassiker geworden; bis heute hat das Buch wohl mehr als zwanzig Neuauflagen erlebt.
So federleicht hat über die Katastrophen dieses Jahrhunderts selten einer geschrieben. Die Handlung, eine vergiftete Liebesgeschichte, spielt sich vor dem Hintergrund des russischen Desasters ab. Revolution, Bürgerkrieg, wirre Interventionen der Großmächte, Zusammenbruch eines Imperiums von St. Petersburg bis Wladiwostok. Der englische Offizier aus gutem Hause wird in einen Strudel der Emotionen gerissen. Wehrlos sieht er sich einer ebenso unerträglichen wie unwiderstehlichen russischen Familie ausgeliefert.
Es sind die Motive Tschechows, es ist sein Ton, es ist sogar sein wunderbares Können, das diesem exzentrischen jungen Ausländer zuzufliegen scheint. Eine brutale Welt, mit den zartesten Nuancen geschildert; Aussichtslosigkeit, als Komik getarnt; hintergründige Gefühle ohne eine Spur von Sentimentalität.
»Das Ich in dem Buch bin nicht ich« - dieses Motto stellt Gerhardie seiner Geschichte voran. Das ist nur die halbe Wahrheit. Er war da, er hat sich in ein hoffnungsloses Spiel verwickeln lassen, und als Autor hat er es mit Liebe, Grausamkeit und Ironie gemeistert.