Friedrich Luft
Über die Berliner Luft

Friedrich Luft

Über die Berliner Luft

Feuilletons

Versammelt und mit einem Nachwort versehen von Wilfried F. Schoeller

Für seine Kritiken ist der Rundfunk-Solitär Friedrich Luft berühmt, seine Feuilletons warten noch auf die Wiederlektüre.

In seinen Feuilletons schaute Friedrich Luft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur deutschen Wiedervereinigung auf das Berlin der Sektoren, auf die geteilte Stadt und ihre Bewohner. Zugewandt und wohlwollend beobachtet der Theaterkritiker, der sich als wöchentliche »Stimme der Kritik« des RIAS unvergessbar gemacht hat, wie die Berliner angesichts von Verwüstung, Mangel und Bedrohung ihr eigentümlicher Witz nicht verlässt.
In Berlin begegnet er »Sokrates beim Bier« und schreibt »Wider den Hochmut der Frühaufsteher«. Doch sein Blick geht weiter, richtet sich auf die westliche Hemisphäre während des Kalten Krieges. Er bringt den vom Krieg Versehrten und Erschöpften 1946 erste Nachricht von dem wundersamen Leben der tüchtigen Amerikaner. Er telegraphiert aus Paris, berichtet von den Olympischen Spielen in London.

In seinen Prosaminiaturen lässt er das Panorama der ganzen Welt zu jener Zeit entstehen. Jede seiner Kolumnen und jeder Aufsatz spricht von der Liebenswürdigkeit des schlichten Menschen und vom Charme der Dinge des Alltags. Friedrich Lufts Feuilletons sind zeitlos. Wilfried F. Schoeller hat sie aus fünf Jahrzehnten publizistischen Wirkens von Friedrich Luft gesammelt und ihnen ein einsichtsreiches Nachwort beigegeben.

 

"Die Neugier auf die Unbekannten, Namenlosen nimmt besonders für diesen Feuilletonisten ein, der sich Herablassung verkniffen hat."
Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Friedrich Luft wurde am 24. August 1911 in Berlin-Friedenau als Sohn eines Berliner Studienrats und einer Schottin geboren. Sein Studium musste er beenden, nachdem er in eine Prügelei mit Nazi-Kommilitonen geraten war; er begann, Feuilletons zu schreiben. Nach dem Krieg machten die Amerikaner ihn, der unverdächtig war, mit dem Nationalsozialismus sympathisiert zu haben, schnell zum Feuilletonchef der Berliner Ausgabe der Neuen Zeitung. Berühmt wurde er jedoch als "Stimme der Kritik" der DIAS (später RIAS), mit der er seit 1946 über 44 Jahre und tausende von Sendungen lang die Premieren und Aufführungen, Moden und Entwicklungen auf den Berliner Theaterbühnen kommentierte und „kritisch“ begleitete. Er starb am 24. Dezember 1990 – die Trauermesse für ihn wurde in der selben Kirche in Berlin-Friedenau gefeiert, in der er auch getauft worden war.

Wilfried F. Schoeller, 1941 in Illertissen geboren, war Leiter der Abteilung »Aktuelle Kultur« beim Hessischen Rundfunk. Er publizierte u. a. Monografien über Heinrich Mann, Michail Bulgakow, Jorge Semprun und Warlam Schalamow, zudem gab er das Gesamtwerk von Oskar Maria Graf heraus. Schoeller ist Autor zahlreicher Literaturfilme und Hörspiele, war Kurator mehrerer Literaturausstellungen und lehrte als Professor für die Literatur des 20. Jahrhunders.

Über die Berliner Luft

aktuelle Veranstaltungen

06. November 2018 19:30 Uhr
Luftraum, Maienstr. 4, 10787 Berlin-Schöneberg
"Über die Berliner Luft" von Friedrich Luft - Buchpremiere mit Wilfried F. Schoeller und Christian Döring in Friedrich Lufts ehemaligem Wohnhaus Mehr