Mavis Gallant
Transitgäste

Gallant, Mavis

Transitgäste

Erzählungen

Aus dem Amerikanischen von Barbara von Bechtolsheim, Reinhild Böhnke, Eva Bornemann und Helga Pfetsch

Unscheinbare Helden, extreme Biographien.
Eine Kanadierin in Paris: man trifft sie, wenn man Glück hat, im Café Select am Montparnasse. Ihr Blick streift über die vorbeiflutende Menge. Haften bleibt er an denen, die entkommen und gestrandet sind. Ihre Heldinnen und Helden haben keine Triumphe zu feiern. Allein, dass sie überlebt haben, ist heroisch.
Die achtzigjährige Magdalena aus Budapest auf dem Totenbett, Monsieur Wroblewski, Senor Pinedo, Ernst, der Spätheimkehrer: Es sind geheimnisvolle Personen, die man schwer vergisst: einsame Leute mit brüchigen Biographien, Migranten, Schauspielerinnen ohne Engagement, freiwillige und unfreiwillige Flüchtlinge. Mavis Gallant erzählt von ihren Dramen, Enttäuschungen, Gerüchten, Missverständnissen, Hoffnungen und vertanen Chancen. Ihre Prosa ist unprätentiös, aber von äußerster Genauigkeit, und erst nach einer Weile merkt man, dass sie leuchtet.
Man kann diese Geschichten als Tragikomödien lesen, aber im Ganzen bilden sie eine intime Chronik, die von den dreißiger Jahren bis in die Gegenwart reicht. Sie leuchten die Innenseite der europäischen Katastrophen aus. Mussolinis Italien, das Exil, die deutsche Okkupation, das Spanien der Falange, den Kalten Krieg und seine Folgen. Nicht die großen Ereignisse sind ihr Thema, sondern die unscheinbaren Verheerungen, die sie angerichtet haben und für die es keine Heilung gibt.