Bernard LeBovier de Fontenelle
Totengespräche

Fontenelle, Bernard LeBovier de

Totengespräche

Aus dem Französischen von Hans-Horst Henschen

antiquarisch suchen

Merkwürdig: Fontenelle, dieser freie Geist – Diderot und Chamfort haben ihn bewundert, und noch Nietzsche wußte ihn zu schätzen –, Fontenelle ist der vergessenste aller Klassiker; die letzte deutsche Übersetzung seines Hauptwerks stammt aus dem Jahr 1727. In seinen Dialogen bricht die Morgenröte der Aufklärung an. Vielleicht war er zu gescheit für seine Zeitgenossen, vielleicht ist er zu früh geboren. Im Paris des Jahres 1683 herrschte in der Literatur und in der Philosophie noch die höfische Etikette. Er hat mit ihr gebrochen. Den Sieg seiner Denkweise hat er noch erlebt, denn er wurde genau hundert Jahre alt.
Die vierundzwanzig Totengespräche sind dem Andenken Lukians gewidmet, und der ganze Witz des großen Vorgängers zeichnet sie aus. Dessen Methode, »die Toten als Dolmetscher für die Probleme der Lebenden« herbeizurufen, hat er zugespitzt durch die verblüffende Paarung der Gesprächspartner und durch den gezielten Anachronismus. So unterhält sich im Reich der Toten der Kaiser Augustus mit dem Skandal-Schriftsteller Pietro Aretino über den Ruhm; die lesbische Dichterin Sappho streitet mit Laura, der Bedichteten, über die Liebe; und eine berühmte Kurtisane beweist Alexander dem Großen, daß ihre Eroberungen interessanter waren als die seinigen.