Margret Boveri
Tage des Überlebens

Boveri, Margret

Tage des Überlebens

Berlin 1945

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Vom Überleben im Untergang.
Margret Boveris Briefe aus einer belagerten Stadt erzählen von Feuerstürmen und Straßenkämpfen, von Hunger und Vergewaltigung, von Widerstand und Verblendung, von den Hoffnungen und Illusionen einer ganzen Generation. Wer sich heute - angesichts ganz anderer Kriege - in eine derart extreme Lage versetzen will, wird schwerlich ein besseres Geleit finden als bei dieser unerschrockenen Augenzeugin. Sie bringt den nachgeborenen nicht nur Horror und Verwüstung nahe; sie spricht auch von der »ungeheuren Erhöhung des Lebensgefühls durch die dauernde Nähe des Todes«. In der »vierten Postkarte nach der Bombe«heißt es: »Ich lebe noch, und nun erst recht«.
Später, in Memoiren und historischen Untersuchungen, nimmt sich alles ganz anders aus. Die Klugheit der Nachwelt retuschiert, absichtlich oder wider Willen, jede unmittelbare Erfahrung. Nicht als wüßten die Augenzeugen alles besser; ihr Horizont ist beschränkt, und sie können nur von dem reden, was sie gehört und gesehen, was sie am eigenen Leib erlebt haben. Authentizität ist keine Wahrheitsgarantie. »Wir lügen alle« - so hat Margret Boveri einen Bericht über ihre Arbeit am Berliner Tageblatt überschrieben. Eben dieses Problembewußtsein zeichnet sie vor anderen Tagebuch- und Briefeschreibern aus. Keine Zeile ihres Berichts hat sie hinterher geschönt. Auch der privatesten Äußerung sind Kaltblütigkeit und Scharfblick einer hochtrainierten Publizistin anzumerken. Das verleiht ihrem Buch über den Untergang des Dritten Reiches eine seltene Prägnanz.
Boveris Tage des Überlebens schließen sich einer Reihe von Zeugnissen an, die in der ANDEREN BIBLIOTHEK erschienen sind. Varnhagens Journal einer Revolution (1848/49), Alexander Herzens Briefe aus dem Westen (1847/69), den Blitzlichtern der Goncourts (1851/95), Ernst Troeltschs Spektator-Briefen über Die Fehlgeburt einer Republik (1918/22) und Friedrich Recks Tagebuch eines Verzweifelten (1936/44).