Luis Martín-Santos
Schweigen über Madrid

Martín-Santos, Luis

Schweigen über Madrid

Roman

Übersetzt aus dem Übersetzt aus dem Spanischennischen

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In Spanien weiß man es, in Deutschland nicht: mit Martín-Santos hat sich die spanische Prosa aus dem Staub des Bürgerkrieges und aus der literarischen Einöde der Franco-Zeit erhoben. Der Roman Schweigen über Madrid, eines der einflußreichsten Bücher der Epoche, hat unlängst seine 35. Auflage erlebt. Dieser Ruhm kommt nicht von ungefähr.
Ein junger Biologe begibt sich auf eine absurde Odyssee, die ihn durch die Salons und die Bordelle, die philosophischen Zirkel und die wüsten Slums einer erstickten Metropole führt. Das Labor braucht Mäuse. Es geht um Krebsgene und Viren. Aber es sind nicht die Mäuse, es ist der Forscher, der sich auf der Suche nach ihnen in einem Labyrinth verirrt, aus dem es kein Entkommen gibt.
Das Madrid der fünfziger Jahre erscheint hier selber als ein infernalisches Laboratorium, eine geschlossene Anstalt. Seinen deformierten Insassen ist mit dem hergebrachten sozialkritischen Realismus nicht mehr beizukommen. Daher die Verwegenheit, mit der Martín-Santos vorgeht. Seine Bilderwelt läßt an Goyas Desastres denken; sprachlich greift er auf verschüttete Möglichkeiten der spanischen Prosa, auf Delicado und Quevedo zurück. Doch zugleich wirkt seine Thematik bedrückend aktuell und sein Tonfall, nach 30 Jahren, atemberaubend.