Stig Dagerman
Schwedische Hochzeitsnacht

Dagerman, Stig

Schwedische Hochzeitsnacht

Roman

OT: Bröllpsbesvär 1949 ;Aus dem Schwedischen von Herbert G. Hegedo; Mit einem Vorwort von Per Olov Enquist

Ein verstörender Alptraum aus Gewalt und Maßlosigkeit in dörflicher Idylle
»Das junge, in die Irre geführte Genie scheint seine Wurzeln zu suchen, es wird ein seltsamer und wahnsinniger Roman, der letzte.« Per Olov Enquist
Auch das Glück braucht einen Raum, in dem es sich entfalten kann: Schonungslos schildert Stig Dagerman die Hochzeit des Schlachtermeisters Westlund mit Hildur Palm. Statt ländlicher Idylle offenbart Dagermans sezierender Blick ein grausames Geflecht boshafter Charaktere, die einander in Hass, Habsucht, Neid und sexueller Gier verbunden sind. In der Vorbereitung zum Fest begegnet die Dorfgemeinde sich selbst - und ertränkt das Entsetzen in einer grotesk geschilderten Nacht voll Gewalt und Alkohol.
Stig Dagerman entlarvt das liebliche Bild schwedischer Behaglichkeit zwischen Seen und Wäldern, das nicht nur in Deutschland immer noch vorherrscht. Schwedische Hochzeitsnacht nimmt in seiner verstörenden literarischen Wucht die gesellschafts­kritischen Abrechnungen Ingmar Bergmans mit seinem Land vorweg - und ist zugleich weit mehr als eine lokale Charakterstudie vom Leben in familialer Abhängigkeit und Beschränktheit.
»Je unfreier und armseliger das Leben ist, desto stärker werden unsere Vorstellungen von einem anderen Dasein, vom Leben in Freiheit und Ehre« Stig Dagerman

"Überhaupt wirkt dieser Roman in seiner Diktion sehr existenzialistisch. Und es drängt sich - auch auf die Gefahr hin, Klischees zu bedienen - ein Vergleich mit der Ideenwelt Ingmar Bergmans auf: Dagermans Schwedische Hochzeitsnacht wäre ohne jeden Zweifel ein kongeniales Drehbuch für den großen Regisseur gewesen.
So bleibt kein leichtes, aber ein faszinierendes, fantastisches Leseerlebnis von schier ungeheuerer Intensität; ein Buch, dem viele Leser zu wünschen sind."
(Thomas Laux, Frankfurter Rundschau, 18. April 2010)

"Stig Dagermans Roman läßt sich vieldeutig lesen: als Endzeitroman einer agrarisch-patriarchalen Gesellschaft, als Nachkriegsbild ohne Krieg oder als beinahe versöhnliche Idylle. Als was auch immer steht er seltsam zeitlos als ein erratischer Block in der literarischen Landschaft Europas. Noch nicht ganz fern, nicht mehr ganz nah. Ein Schaustück in einem Museum, in dem wir uns - nicht ohne Widerwillen - selbst erkennen können. Oder die, die uns vorangegangen sind."
(Alan Claude Sulzer, Deutschlandradio, 27. Juli 2010)

"Der 25jährige Autor, der selbst als Journalist Furore machte, unternimmt in diesem Buch etwas Ungewöhnliches, von dem man nicht geglaubt hätte, dass es funktioniert, noch dazu so vortrefflich: er kreuzt den Bauernroman mit modernen Erzählverfahren, und er steigert dies im zweiten Teil zu einer furiosen Groteske, für die sicherlich Kafka als ein großes Vorbild diente ... Wie Stig Dagerman das Rohe und das Zerbrechliche, das Triebhafte und das Empfindsame kombiniert, ist schon erstaunlich."
(Thomas Fechner-Smarsly, WDR3, 11. Mai 2010)  

"Auf wunderbare Weise und durchaus mit abgründigem Humor versteht es Dagerman, seine Figuren miteinander in Beziehung zu setzen."
(Thomas Lang, Berliner Morgenpost, 23. Juli 2010)

"Da gibt es grandiose Szenen rund um große Begriffe wie Moral und Verantwortung, es gibt da die schlüssigste Theorie der Landstreicherei, die ich kenne, und es gibt einen beeindruckenden Schluss, der die ganze verzweifelte Liebe des Autors für sein glücklos agierendes Personal zum Ausdruck bringt."
(Peter Zimmermann, ORF Ex libris, 2. Mai 2010) 

"Kein Buch zur Erbauung. Eher für die Ewigkeit. In einer wunderschönen, bibliophilen Ausgabe."
(Märkische Allgemeine, 14. August)

"Dagermans Roman aus dem Jahr 1949 zeichnet mit expressiver Sprache ein Gemälde voll düsterer Gewald und gegenseitiger Abhängigkeit, das aber auch skurrilen Humor und lichte Momente bereit hält."
(Kieler Nachrichten, 12. Mai 2010)

"Eine lohnende Entdeckung."
(Hellweger Anzeiger, 26. Juni 2010)