Hans Christian Andersen
Schräge Märchen

Andersen, Hans Christian

Schräge Märchen

Übersetzt und zusammengestellt von Heinrich Deterings

antiquarisch suchen
Was wohl in diesen Märchen rumort?
Andersens Märchen gelten als biedermeierliche Kinderspeise mit einem etwas faden, sentimentalen Beigeschmack. Immer dieselben Geschichten stehen im Mittelpunkt der vielen Ausgaben, die sich in unsern Bücherschränken finden: Das häßliche junge Entlein, Die kleine Seejungfrau, Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen...
Heinrich Deterings Auswahl schlägt ganz andere Töne an. Hier finden sich anarchische, aggressive, witzige Geschichten von Rausch und Revolte, von Sexualität und Aktienhandel, von der industriellen Revolution und von einer Poetik des technischen Zeitalters.
Texte, die in keiner Märchensammlung zu finden sind, handeln von der Sündflut Nr. 2, von Opium-Ekstasen und Komischen Verliebtheiten, von der Angst der Technik-Begeisterten Im Tunnel. »Ritsch, ratsch - patsch« erzählt Andersen ein »beim besten Willen schlechtes Märchen«. Der Tölpel-Hans bietet der Prinzessin statt Schlamm (wie in der Buchversion) wieder Kuhmist an (wie in der Handschrift). Am Schluß steht ein Verzeichnis von Märchen und Geschichten, die zu schreiben wären. Andersen hat es kurz vor seinem Tod diktiert - vom »Aal in Essig« bis zum »Weltenbaum im Bücherladen«.
Alle Texte sind neu übersetzt. Manche stammen aus anderen Büchern als aus den Märchensammlungen, andere gehen auf Versionen in den Manuskripten zurück, einige erscheinen hier überhaupt zum ersten Mal in deutscher Sprache. Für Leser, die ihren Andersen nur aus dem Kinderzimmer kennen, kommt hier ein ziemlich anderer Autor zum Vorschein. Heinrich Deterings Übersetzung hat ein Ohr für das Schräge in Andersens Stil, für seine Sprünge und Brüche und für die musikalischen Zauberformeln, mit denen er die Lust beschwört und das Entsetzen bannt.