Richard Swartz
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Swartz, Richard

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Geschichten aus Europas Nahem Osten

Aus dem Schwedischen von Jörg Scherzer

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Ein zärtlicher Kundschafter im kalten Krieg. Schon als Student wollte er es wissen: Wie sah sie aus, jene Gegenwelt auf der anderen Seite des Vorhangs, der damals noch aus Eisen war? Richard Swartz, der Bürgersohn aus dem reichen, neutralen Schweden, begnügte sich nicht, wie seine Altersgenossen, damit, den Kommunismus im Trockenkurs der Seminare kennenzulernen. Er hielt es mit der Empirie und zog nach Prag. Seitdem hat er sich, mehr als fünfundzwanzig Jahre lang, dem »mentalen Smog« des osteuropäischen Regimes ausgesetzt und aufgeschrieben, was er dort erlebte.
Lange vor 1989 ist ihm der »Ostblock« vor den Augen zerfallen, von Fall zu Fall. Nicht auf die Manöver der Politbüros richtete er seinen zarten Röntgenblick, sondern auf alte Kellner und verlassene Bräute, auf Zigeunerkönige, jüdische Kantoren und rumänische Masseusen. Und so gelang es ihm, in der Begegnung zweier Welten jene tieferen Schichten freizulegen, von denen im Journalismus nie und in der Literatur selten die Rede ist. Ohne schmerzliche Narben ging es dabei nicht ab.
Hotelzimmer, Baracken und Kellerlöcher waren seine Herbergen. Swartz ist ein diskreter Outsider. Seinen Erzählungen fehlen die schrillen Töne der Ideologie. Sie sind intim, und doch wahren sie die Distanz zu denen, die Gefangene einer anderen, unbarmherzigeren Geschichte sind. Ihm, dem Mann aus dem silbernen Westen, begegnen seine albanischen, polnischen, tschechischen Helden mit einer Ironie, die von unten kommt; der Erzähler erwidert ihre melancholische Höflichkeit mit der Selbstironie eines Besuchers, der nie vergißt, daß er »leicht reden hat«.
Richard Swartz, der zum Understatement neigt, würde es anders ausdrücken: doch in seinem Buch ist, vielleicht zum ersten Mal, die andere, die verschwiegene, hintergründige Seite der Teilung Europas Literatur geworden.