Alphonse Karr
Reise um meinen Garten

Alphonse Karr

Reise um meinen Garten

Ein Roman in Briefen

Ein Garten genügt. Ein entzückender Ort des Zaubers und des Spektakels im Alltäglichen und Kleinsten. Warum in die Ferne reisen, wenn sich in der nächsten Nähe eine ganze Welt auftut?

In den 59 Briefen seines Romans Reise um meinen Garten nimmt uns Alphonse Karr mit auf eine Reise, die nicht weiter führt als in den eigenen Garten. »Alles reist«: der Käfer auf dem Blatt, die Gallwespe, der Zugvogel, der Himmel und die Farben, ja sogar das Klima und die Jahreszeiten.

Alphonse Karr richtet seine Briefe an einen Freund, der sich auf große Fahrt begibt. Er selbst bleibt in seinem Garten und beweist dem Freund die Ebenbürtigkeit seiner Erkundungen und Entdeckungen in der nahen Natur. Es braucht nur offene Augen: für das Spektakel der Spinnen oder Bienen, Laubfrösche oder Marienkäfer, für das Gewese der Rosen mit ihren Blattläusen, von Nussbaum, Pfeilkraut, Veilchen oder Lilie. Das alles ist bei Alphonse Karr, dem romantischen Autor und scharfzüngigen Journalisten, verflochten mit moralischen und politischen Betrachtungen. Und mitunter gibt sich ein franziskanischer Enthusiast zu erkennen: »Mein Gott! Wie bin ich reich!«

Alphonse Karr hat Henri Fabre mit dessen berühmten Insektenbeobachtungen genauso wie Maurice Maeterlinck mit dessen nicht minder berühmtem Leben der Bienen den Weg gewiesen.

Alphonse Karr führt das Genre der »Zimmerreisen« weiter, die Xavier de Maistre mit seinem Buch Die Reise um mein Zimmer knapp ein halbes Jahrhundert zuvor begründet hat – die Erkundung des Nahen. Alphonse Karrs Reise um meinen Garten erschien im April 1845 in einer Luxusausgabe, illustriert von den besten Graveuren seiner Zeit, mit großem Aufsehen. Es wirkte wie ein Gegenmittel in einer Epoche, in der die Welt- und Entdeckungsreisen ihren Höhepunkt erlebten.

 

 „Dieses Buch ist ein Prachtband der Bescheidenheit. Nicht nur, weil es die Andere Bibliothek in gewohnt luxuriöser Ausstattung herausbringt, sondern auch, weil es zeigen will, wie schillernd das Kleine sein kann. «Reise um meinen Garten» ist eine Weltflucht in die Welt der Bäume, Sträucher, Vögel und Insekten. Zu den Zaunkönigen und Goldwespen. Zum Mohn und zu den Lilien. Der Erzähler liegt in seinem Garten einige Zeit auf dem Rücken und schaut hinauf in den Himmel und in die Bäume. Dann dreht er sich um und sieht die Gräser und Käfer. Sonst geschieht nicht viel in einem Buch, das vor allem beschreiben will. Das allerdings kann es in außerordentlicher Exaktheit. Moose werden in dieser Nahperspektive zu Wäldern und die darin herumwandernden Insekten groß wie Hirsche…“. Paul Jandl, NZZ, 03.07.2020

"Ein Roman von 1845 als Buch der Stunde? Und ob! Alphonse Karr hat damals eine Reise durch seinen Garten unternommen. Seine 59 Briefe darüber, aus denen sich der üppig illustrierte Roman zusammensetzt, sind eine berauschende Sommerlektüre – nicht nur für all jene, die in diesem Jahr auf Ferien in der Ferne verzichten. Nach seinem Tod wurden nach Karr eine Birnensorte und ein Bambus benannt – vollends verdient!" Lesart, Deutschlandfunk Kultur, Juli 2020.

„Mit Wonne zuhause bleiben - dieser Briefroman von 1845 feiert die Wunder und Dramen, die gleich an der Haustür beginnen. Ein halbes Jahrhundert vorher war das Genre der Zimmerreisen erfunden worden, und Alphonse Karr macht jetzt einfach draußen weiter, sehr bewandert in Fragen der Fauna und Flora und gerne auch mit Seitenhieb auf Angeber-Weltreisen und blinde Wissenschaft. Augen auf - mordlustige Spinnen! Magischer Knoblauch! Unglaubliche Gallwespen! Invasion der Blattläuse! Herrschaft des Zaunkönigs!“ Judith Heitkamp, BR, 11.06.2020

 Alphonse Karr (1808–1890), mütterlicherseits im Großbürgertum zu Hause und väterlicherseits mit deutschen Musikern als Vorfahren, machte sich als brillanter junger Mann rasch einen Namen in der literarischen Welt von Paris. Mit dem Erscheinen von Reise um meinen Garten im April 1845 stand er schon auf dem Gipfel seines Erfolgs, nachdem er unter anderem eine dreiteilige Romanbiographie und Novellen im romantischen Zeitgeschmack verfasst hatte. Als Zeitgenosse von Victor Hugo und Balzac war Alphonse Karr, der Vielseitige, zudem ein begnadeter Journalist, ein antiklerikaler Spötter und Satiriker von Rang. Seit 1839 erschien sein Magazin »Les Guêpes« (»Die Wespen«) fast acht Jahre lang monatlich. Er lebte mit der Unabhängigkeit eines großen Exzentrikers zunächst in Montmartre, wo er sich einen gelben Affen hielt, pflegte an anderem Wohnort auf der siebten Etage eine große Gartenterrasse, entdeckte dann die Küste der Normandie, die er mit seinem Namen populär machte, und lebte später an der Côte d’Azur, wo er die Blumenriviera begründete.

 

Caroline Vollmann wurde für ihre Übersetzungen aus dem Französischen vielfach ausgezeichnet. In der Anderen Bibliothek erschienen zuletzt in ihrer Übersetzung Manette Salomon der Brüder Goncourt (Band 394) sowie Ein Mensch allein von Jean Giono (Band 408).

Reise um meinen Garten