Ursula Naumann
Pribers Paradies

Naumann, Ursula

Pribers Paradies

Ein deutscher Utopist in der amerikanischen Wildnis

Im Jahr des Herrn 1735 verließ Johann Gottlieb Prieber, ein beinah vierzigjähriger, angesehener Advokat aus Zittau, einer kleinen Stadt in der Oberlausitz, Frau, Kinder, Beruf und Heimat und verschwand. Spärliche Zeugnisse, Aktenstücke und Briefe berichten, dass er im wilden Hinterland von Georgia und South Carolina wieder aufgetaucht ist, um dort eine ideale Republik zu gründen.
Priber, wie er sich in Amerika schrieb, gilt als Visionär und Kommunist, als Jesuit und als Ketzer, Spion in den Diensten des französischen Erzfeinds und Anhänger der Vielweiberei, als Aufrührer und Naturmensch. Die Cherokee-Indianer sollen ihn adoptiert haben. In sein Paradies wollte Priber Menschen »aller Farben und Rassen« aufnehmen.
In der späteren Geschichtsschreibung erscheint Priber bald als Bösewicht, bald als Lichtgestalt. Mit Campanella, Thomas Morus und Rousseau hat man ihn verglichen. Soviel steht fest, dass er die einzige säkulare, naturrechtlich begründete Kommune des 18.Jahrhunderts gegründet hat. Sein Projekt ist, wie viele, die ihm folgten, gescheitert. Priber wurde verhaftet, und ebenso plötzlich, wie er aufgetaucht war, ist er spurlos verschwunden.
Es ist eine abenteuerliche Geschichte voller Lücken und Rätsel, die Ursula Naumann hier mit detektivischem Spürsinn ans Licht bringt. Ihre Rekonstruktion will nicht nur die Wahrheit ermitteln, sondern auch den individuellen und historischen Sinn von Irrtümern und Lügen. Pribers Paradies ist ein Werk der Primärforschung, das auch in einem wissenschaftlichen Verlag hätte erscheinen können, wäre es nicht so glänzend geschrieben und so spannend erzählt. Über den Fall Priber hinaus bietet es ein höchst lebendiges, detailfrohes Fresko von den Schrecken und Wundern des 18. Jahrhunderts im engen Deutschland und im weiten Amerika.