Grey Owl
Pfade in der Wildnis

Grey Owl

Pfade in der Wildnis

Eine indianische Erzählung von der Natur

Grey Owl – indianisch »Wascha kwonessin«, deutsch »Der Vogel, der nachts wandert« – hat eine frühe ökologische Literatur geschrieben, die ihre Überzeugungskraft allein aus der Schilderung der Natur Nordkanadas schöpft.

Pfade in der Wildnis ist das erste Buch eines Mannes, dessen kindlicher Wunsch, Indianer zu werden, so groß war, dass er es tatsächlich wurde. Er erzählt von den Wundern der Tier- und Pflanzenwelt und von einem ganzen Kosmos, der des Menschen nicht bedarf und doch von der Zivilisation bedroht ist.

Grey Owl führt uns in seinen Geschichten und Episoden in das Leben der kanadischen Trapper, der Fallensteller und Wildtierjäger in der Wildnis, jenseits der »Front«, der äußersten Grenze der menschlichen Besiedelung. Es ist eine Welt, in der allein die Gesetze der Natur Gültigkeit haben, fernab der Zivilisation. Grey Owl beschreibt die Pfade, die noch vor wenigen Jahren allein den Indianern bekannt waren und doch schon bald zu Eisenbahnstrecken und Verkehrsstraßen ausgebaut werden. In einer poetischen Sprache, der die Rauheit und Gewalt der Wälder, Flüsse und Seen und ihrer tierischen Bewohner vertraut sind, ruft Grey Owl das Bild einer Natur von gewaltiger, beängstigender Stärke auf, die aber von der menschlichen Inbesitznahme der Natur bedroht ist.

Sie möchten mehr über die Gestaltung dieses Bandes erfahren? Hier erzählt die Gestalterin Marion Blomyer von ihrer Arbeit.

„Was läsen wir ohne die »Andere Bibliothek«? 1985 von Enzensberger gegründet und 2011 von Döring übernommen, streut sie mit schöner Regelmäßigkeit Wunderwerke der Literatur in unsere Buchregale. (...) In »Pfade in der Wildnis« breitet Grey Owl seine Philosophie von einem Leben im Einklang mit der Natur aus. Er beschreibt das Leben der Trapper, Fallensteller, Ureinwohner des im Winter höchst unwirtlichen kanadischen Nordens. (…) Die Natur ist mitunter bedrohlich, Owl gelingt es, die rauhe Umgebung in all ihrer poetischen Schönheit zu beschreiben. Nie verkitscht, schildert er die drohende Zerfetzung des Landes durch Eisenbahnlinien und Straßen. Wo des Menschen Gier regiert, ist kein Stück Natur vor ihm sicher, wie schön die Wildnis auch sein mag.“ Frank Willmann, junge Welt, 03.02.2020

Grey Owl (1888–1938), in Hastings als Archibald Stansfeld Belaney geboren, wird dort von seinen Tanten großgezogen. Seit frühester Kindheit träumte er von einem Leben als Indianer. Als er seinen ersten Arbeitsplatz verliert, geben seine Tanten seinem Wunsch nach und finanzieren ihm die Überfahrt nach Toronto, von wo er in den Norden Ontarios aufbricht. Dort wird er von Trappern angelernt und rasch zu einem der besten Fallensteller und Pelzjäger seines Distrikts. Er lebt in einem Stamm der Anishinabe-Indianer, erlernt deren Sprache und übernimmt schrittweise Lebensart und Naturverständnis der nordamerikanischen Ureinwohner. Er gründet eine Familie, verleugnet seine englische Herkunft und kehrt der westlichen Zivilisation den Rücken.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet er sich als Freiwilliger und kehrt schließlich endgültig in den Norden Kanadas zurück. Grey Owl heiratet erneut – und wendet sich unter dem Einfluss seiner zweiten Frau, einer Mohawk-Indianerin, von der Tierjagd ab und der Ökologie zu. Mit 28 Jahren beginnt er, Artikel und Erzählungen zu schreiben. Nach der Veröffentlichung seines ersten Buches Pfade in der Wildnis 1931 wird er populär. Seine Vortragsreisen führen ihn bis nach Europa. Kurz nach der Rückkehr von einer Lesereise aus England und den USA, wo er vor hunderttausenden Hörern aufgetreten ist, stirbt er 49-jährig an einer Lungenentzündung.
 

Pfade in der Wildnis