Giacomo Leopardi
Opuscula moralia

Giacomo Leopardi

Opuscula moralia

Oder vom Lernen über unsere Leiden zu lachen

In seinen »Kleinen moralischen Werken« hat Giacomo Leopardi die Essenz seiner langjährigen Betrachtungen über den Zustand des modernen Menschen versammelt. Es sind italienische »Minima Moralia« aus dem 19. Jahrhundert.

Seit ihrem ersten Erscheinen 1827 in Mailand gelten die »Operette morali« von Giacomo Leopardi als Musterbeispiel einer satirisch-philosophischen Prosakunst. Seine von Geist und Witz nur so sprühende melodisch-poetische Prosa verhandelt in originellen Fabeln und oftmals dialogischen Szenen, was Leopardi »die Absurditäten der Politik, die Misslichkeiten der allgemeinen Moral und ... die Konditionen der Welt, die Laster und Infamien nicht der Menschen, sondern des Menschen« nennt.

Burkhart Kroeber, vielfach preisgekrönt und mit seinen Übersetzungen vor allem von Umberto Eco, Italo Calvino und Alessandro Manzoni bekannt geworden, hat seine neue Übersetzung aus dem italienischen mit ausführlichen Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Ergänzt wird diese Neuübertragung durch einen Essay von Paul Heyse über Leopardis Weltanschauung.
 

"Leopardi erweist sich als Existenzialist avant la lettre, als grosser Skeptiker, als Aufklärer und – gerade in seinen «Operette» – als zuweilen feiner Ironiker. Die Fülle an Personen, Situationen und Bildern, die er vor dem Auge des Lesers ausbreitet, zeugt von einer ungeheuren Phantasie. Die Themen sind schwer, der Ton stets leicht, die Gedankenführung ebenso präzise wie entspannt. Leopardi erfindet in den «Operette» eine neue Gedankenprosa, die in ihrer Schlichtheit und Schnörkellosigkeit noch heute beeindruckt. (...) Du kannst Leopardi nicht lesen, ohne dich danach besser zu fühlen."
René Scheu, Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2017

"Die Quintessenz seiner brillant und witzig formulierten Erkenntnisse steckt in den erstmals 1827 erschienenen „Kleinen moralischen Werken“, den „Operette morali“, die jetzt in einer vorzüglich kommentierten Auswahl unter dem Titel „Opuscula Moralia“ in der Anderen Bibliothek vorliegen."
Maike Albath, Süddeutsche Zeitung, 03.08.2017

"Burkhart Kroeber hat Leopardis Texte mit vielen nützlichen Anmerkungen versehen, ein umfangreicher Anhang mit Aufsätzen über Leben und Werk rundet das Buch ab. Und dann ist da noch die wirklich tolle Aufmachung: Seit mehr als 30 Jahren bringt der Verlag „Die Andere Bibliothek“ einmal im Monat einen neuen Band heraus: limitierte Ausgaben mit Werken von zu Unrecht vergessenen Autoren, Erstausgaben von hierzulande unbekannten Schriftstellern. Designt werden sie von Buchgestaltungs-Künstlern: Hier wird ein an die 1970er-Jahre erinnerndes Muster aus bunten Rauten mit Werken berühmter Barock- und Renaissance-Künstler wie Dürer und Raffael kombiniert. Moderne trifft Vergangenheit: Das passt zum Inhalt, denn auch Leopardis Texte sind knapp 200 Jahre nach ihrem Erscheinen manchmal verblüffend aktuell."
Andrea Heußinger, NDR 1 Niedersachsen – KULTURSPIEGEL, 29.08.2017

"Drei Dutzend solcher Geschichten, Dialoge und Szenen hat der Übersetzer Burkhart Kroeber für diesen so abwechslungsreichen wie schönen Band ausgewählt."
Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, 17.07.2017

"Leopardi weiß um die Schattenseiten von Vernunft und Fortschritt. Seine Versuche, dem Verstand ein Schnippchen zu schlagen, sind ein Vergnügen. Am Ende findet man den Menschenkenner nicht in der Tradition des Misanthropen oder gar Zynikers wieder, vielmehr erweist er sich als Humanist. Aber eben als einer mit sprühendem Humor."
Tobias Schwartz, Tagesspiegel, 31.07.2017

"Nie war Schwermut schöner."
Peter von Becker, Tagesspiegel, 20.07.2017

"Hier ist Leopardi, der mit Manzoni zu den wichtigsten Erneuerern der italienischen Literatursprache im 19. Jahrhundert gehört, witzig und unterhaltsam. Seine kleinen Schriften enthalten Essays, Fabeln und Dialoge, in denen er sich über die Unzulänglichkeiten des Menschen, die Absurdität der Welt und die Misslichkeiten der Politik lustig macht."
Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 04.06.2017

"Dies ist ein wahrhaft großes Lebens-Buch über das Dasein, den Menschen, dessen Affekte, Antriebe, Verzückungen und Narrheiten. (…) Nun ist Die Andere Bibliothek ja seit mittlerweile 32 Jahren bekannt für das bibliophile Kleid, das den einzelnen Bänden geschneidert wird. Doch so schön wie dieses, von der Berliner Designerin Julia Neller gestaltete ist selten eines der 388 anderen Bücher geraten. Durchgehend farbig gedruckt, spielt Neller mit Rot, Weiß und Blau, dazu mit unterschiedlich gestalteten Rauten. All dies gibt Leopardi eine graziöse, um so passendere Leichtigkeit.“
Alexander Kluy, Wiener Zeitung, 21.10.2017

„In ihren 16 kurzen Dialogen und sechs kleineren Traktaten, in den so unterschiedliche Paare wie Erde und Mond, Atlas und Herkules, Gnom und Kobold, Mode und Tod, Physiker und Metaphysiker und andere sich in teils aberwitzigen Unterredungen über das ebenso lachhafte wie nichtige Erdentreiben der Menschen auslassen. (…). Als einen ironischen Engel hat Walter Benjamin Leopardi charakterisiert. Vielleicht können auch wir durch ihn und seine Operette morali ebenso ironisch beflügelt gleichfalls lernen, über unsere Leiden zu lachen, wie der Untertitel der deutschen Ausgabe ganz im Sinne Leopardis lautet.“
Astrid Nettling, Deutschlandfunk – Büchermarkt, 07.12.2017

“Es ist ein großer Genuss, nach Jahrzehnten wieder zu einer Übersetzung der “Opuscula moralia” greifen zu können, noch dazu in der graphisch anregenden Gestaltung der Anderen Bibliothek.“
Niklas Bender, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2017

 



Giacomo Leopardi, nach Dante und Petrarca der berühmteste Dichter Italiens und der große Erneuerer der italienischen Literatursprache im 19. Jahrhundert, wurde 1798 in Recanati, unweit von Ancona, geboren. Er starb 1837 in Neapel. Seine Operette morali erschienen erstmals 1827 in Mailand.

Burkhart Kroeber, 1940 geboren in Potsdam, gehört zu den namhaftesten Übersetzern in die deutsche Sprache, sein Renommee erwarb er sich nicht zuletzt durch seine kanonischen Übersetzungen der Werke Umberto Ecos.

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erschienen: 03.2002
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