Essad Bey
Öl und Blut im Orient

Essad Bey

Öl und Blut im Orient

Autobiographischer Bericht

Mit einem Essay von Marko Martin und einem Nachwort von Sebastian Januszewski

Der autobiografische Bericht von einem Mann voller Rätsel – von einem Juden aus Baku am Kaspischen Meer, der zum Muslim wurde. Essad Bey war zu seiner Zeit ein weltbekannter Orientexperte und faszinierend-schillernder Bestsellerautor.

Aiserbaidschan und die Region am Kaspischen Meer – seit dem Ölrausch Mitte des 19. Jahrhunderts im Fokus globaler Interessen, strategisches Spielfeld kolonialen Strebens und klandestines Ziel von Hitlers imperialen Plänen im Osten.
Essad Beys »autobiografischer« Bericht führt in die Zeit um den Ersten Weltkrieg und präsentiert die lokalen Akteure, die ersten Ölmillionäre, ethnische, religiöse und politische Konflikte zwischen Aserbaidschanern, Armeniern und Persern, Bolschewisten und Monarchisten, Christen, Juden und Muslimen rund um die erste Rohbenzin-, die »Naphtha«-Industrie. Vor dem Hintergrund einer Weltgeschichte, die sich in den wenigen Straßen, Pfaden, Hütten und Palästen der explosionsartig wachsenden Stadt Baku abspielt, schildert Essad Bey seine eigene Kindheit und Jugend als Sohn eines Ölbarons.
Wurde die Glaubwürdigkeit der autobiografischen Details zurecht angezweifelt, lässt sich an der Eindrücklichkeit des Berichts noch die bis in die Gegenwart aktuelle Gemengelage an einer der erdölreichsten Regionen der Erde verstehen. Essad Beys Bericht verfügt über eine Authentizität, wie sie nur die Literatur auszeichnet.

„Öl und Blut im Orient. Ein autobiographischer Bericht“ wurde erstmals 1929 in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart veröffentlicht. Sebastian Januszewski hat unseren Band mit einem ausführlichen Nachwort zum Leben des Autors versehen, während sich Marko Martin in seinem Essay auf die Spuren Essad Beys im heutigen Baku begeben hat.

"Man verschlingt dieses Buch in einem Zug ... (...) Er war nicht nur einer der wenigen Vorkriegsautoren, die ein populäres, kundiges und sympathisches Orientbild vermittelten; er war von heute aus gesehen auch Urahn und Vorfahre all jener aus der islamischen Welt zugewanderten Autoren, die sich für das Deutsche als ihre Literatursprache entschieden haben. Und auch nach neunzig Jahren liest sich "Öl und Blut im Orient" wie eben erst geschrieben."
Stefan Weidner, Süddeutsche Zeitung, 31.08.2018

"Die Verbindung von Orient und Okzident, schnell zum Schlagwort verkommen: Hier wird sie literarisch brillant inszeniert. (...) Die Kunst, mit der Essad Bey seine «orientalische» Identität mit dem Stil eines europäisch-kultivierten Feuilletonisten der Weimarer Republik verbindet, der er eben auch war, unterscheidet das Buch von herkömmlichen Orientreiseberichten und rückt ihn in unmittelbare Nähe zu Joseph Roth, Stefan Zweig oder Robert Musil."
Janika Gelinek, NZZ am Sonntag - Bücher am Sonntag, 26.08.2018

"Wirklich verlassen kann man sich in "Öl und Blut im Orient" und bei den anderen Kaukasus-Büchern nur auf eins: Man ist in den Händen eines begnadeten Erzählers. Essad Beys Kaukasus ist auf romantische Weise kriegerisch, archaisch und großherzig. Vor allen Dingen aber ist er in Fragen von Nationalität und Religion nicht engstirnig, sondern tolerant, genau wie Essad Bey selbst."
Uli Hufen, WDR 5 - Scala, 28.08.2018

"Beys Bericht liest sich mitunter wie ein Musterbeispiel des Orientalismus, so wie er den Nahen Osten als Mischung aus unendlicher Grausamkeit und zartester Liebe zur Poesie beschreibt. Trotzdem schlagen seine frische, plastische Erzählweise und die ironische Nonchalance, mit der er selbst die schrecklichsten Erlebnisse schildert, noch heute in Bann. Obwohl fast 90 Jahre alt, besteht die beklemmende Aktualität seines "Berichts" in dem Bild einer Zeit, die durch genau dieselben Probleme bestimmt ist, wie unsere Welt heute: Der Kampf um Energievorräte und der blutige Austrag nationaler, ethnischer und religiöser Gegensätze."
Ingo Arend, Deutschlandfunk Kultur, 09.07.2018

"Der Reiz dieser Anekdoten liegt erstens darin, dass sowohl die Selbstherrlichkeit der Oligarchie als auch Unterschiede zwischen Arm und Reich fast genauso so groß sind wie heute, mit allen Konsequenzen. Und dass sie zweitens so unglaublich lustig sind."
Felix Stephan, süddeutsche.de, 29.07.2018

Ein Feature über Essad Bey auf Deutschlandfunk Kultur vom 06.07.2018 ist hier nachzuhören und nachzulesen.

Essad Bey, neben Kurban Said Pseudonym von Lew Nussimbaum (geb. 1905 in Kiew, Ukraine, oder Baku, Aserbaidschan, gest. 1942 in Positano, Italien) entstammte einer jüdischen Familien mit Wurzeln in Georgien und Weißrussland. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Baku, der Hauptstadt des ersten Ölbooms, bis er 1918 14-jährig gemeinsam mit seinem Vater über Persien, zurück über Baku nach Georgien und die Türkei geflohen ist, um in den 1920er-Jahren in Berlin zu stranden. Dort begann er unter verschiedenen Pseudonymen seine sprunghafte schriftstellerische Karriere, mindestens 16 Bücher entstammen seiner Feder, darunter Biographien von Lenin, Reza Schah und dem letzten Zaren Nikolaus II. Spätestens 1922 konvertierte er zum Islam und nannte sich fortan hauptsächlich Essad Bey.
Den Weltbesteller Ali und Nino veröffentlichte er unter dem Pseudonym Kurban Said. Nach Stationen in Wien, New York und Hollywood starb er, auf der Flucht vor den Nazis, südlich von Neapel. Noch von seinem Sterbebett aus ersuchte er die italienischen Behörden, eine Biographie Benito Mussolinis schreiben zu dürfen. Sein abenteuerliches Leben und die Fährten, die er mit seinen wechselnden Identitäten gelegt hat, erschloss zuletzt Tom Reiss in "Der Orientalist" (dt. Ausgabe 2008).

Marko Martin lebt, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller in Berlin. In der Anderen Bibliothek erschienen seine Bücher „Schlafende Hunde“ (Band 298) und „Die Nacht von San Salvador“ (Band 345). Seine jüngsten eröffentlichungen sind: „Tel Aviv – Schatzkästchen und Nussschale, darin
die ganze Welt“ und „Das Haus in Habana. Ein Rapport“.

Sebastian Januszewski ist Mitarbeiter am Literaturhaus Berlin und veranstaltet regelmäßig literarische Führungen. Er hat im November 2017 in der Reihe Frankfurter Buntbücher (Nr. 62) „Essad Bey in Berlin (1921–1933)“ veröffentlicht.
 

Öl und Blut im Orient