Alberto Savinio
Mein privates Lexikon

Savinio, Alberto

Mein privates Lexikon

Zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Richard Schroetter. Aus dem Italienischen von Christine Wolter und Karin Fleischanderl

»Ich bin so unzufrieden mit den Enzyklopädien, daß ich mir diese hier für meinen persönlichen Gebrauch geschrieben habe«, sagt Savinio und stellt damit klar, dass er zu den eigensinnigsten Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts zählt. Leonardo Sciascia hat behauptet, man habe es mit »dem größten italienischen Schriftsteller seiner Zeit« zu tun. Das mag eine Übertreibung sein. Fest steht allerdings, dass ihn an Extravaganz keiner übertrifft.
Savinio passt in keine Schublade. Man kann in ihm einen Traditionalisten, einen Aristokraten sehen. Doch stand er mit der europäischen Avantgarde auf Du und Du, war befreundet mit Picasso, Apollinaire und den Surrealisten, wetteiferte mit seinem Bruder Giorgio de Chirico und tat sich als Maler, Komponist, Choreograph und Reporter hervor.
Doch vor allem war Savinio ein bedeutender Essayist, und so ist es kein Wunder, dass sein Privates Lexikon aus höchst originellen Aufsätzen besteht. Das Alphabet erlaubt es ihm, mit der größten Unbefangenheit von einem Thema zum andern zu springen: von der Allwissenheit zur Amöbe, von Don Quichotte zum Druckfehler, von der Solidarität zu den Süßspeisen und vom Ziborium zur Zoographie.
»Das Unendliche ist eine Frage der Atmosphäre« - »Die Kunst ist heidnisch« - »Ich habe keine große Erfahrung mit Gefängnissen«: Mit solchen Sätzen schlägt der Essayist einen leichten Ton an, der verführerisch ist und uns immer tiefer in das Labyrinth seiner Gedanken lockt.

»... für uns ist Savinio ein Kolumbus der Enzyklopädie.« Neue Zürcher Zeitung online vom 14.11.2005

Alberto Sovinio wurde 1891 in Athen geboren und starb 1952 in Rom. Er studierte Musik bei Max Reger in München und verbrachte lange Jahre in Paris. Von seinem weitverzweigten Werk geben die folgenden Titel einen Eindruck: »Ascolto il tuo cuore, città«/»Stadt, ich lausche deinem Herzen« (deutsch 1989); »Tutta la vita«/»Das ganze Leben« (deutsch 1991), »Infanzia di Nivasio Dolcemare«/»Die Kindheit des Nivasio Dolcemare« (deutsch 1996).