Henri Joseph du Laurens
Mathieu

Laurens, Henri Joseph du

Mathieu

oder Die Ausschweifungen des menschlichen Geistes. Roman

Aus dem Französischen von Johann Zacharias Logan

antiquarisch suchen

Ein verschollenes, ein zensiertes, ein verbotenes Buch, das in der Hölle der Literaturgeschichte schmort, ebenso wie sein Autor, jener Abbé Henri Joseph du Laurens (1719 bis 1797), der zwanzig Jahre in einem deutschen Gefängnis zugebracht hat und dort elend gestorben ist.
Mathieu oder Die Ausschweifungen des menschlichen Geistes, 1765 »unter dem Mantel« erschienen, nicht in London, wie das Titelblatt behauptet, sondern in Holland, ist ein Roman, der seinem Titel alle Ehre macht: aus- und abschweifend, wild. abenteuerlich, verrückt wie seine drei Protagonisten, die einen absurden, tragikomischen Kampf gegen Gott und die Welt führen. »Der Gevatter Mathieu«, so heißt es etwas süßsauer in einer zeitgenössischen Kritik aus der berühmten Grimmschen Korrespondenz, »ist ein Halunke. der sich mit einem andern Halunken zusammentut - und diese beiden Halunken sind Philosophen. Sie rechtfertigen ihre Gaunereien, indem sie sich auf die moralischen Anschauungen der berühmtesten französischen Philosophen berufen. Unterwegs begegnen sie einem dritten Halunken. einem bigotten Spanier. der sich alle nur denkbaren Infamien erlaubt, ohne je seine religiösen Pflichten zu versäumen. Man sollte den Autor ehrenhalber ins Irrenhaus schicken«.
Zynisch, respektlos, komisch, arm, durchtrieben, schlagen sich die Helden des Romans, die allesamt Verlierer sind, in einem Strudel von Scharmützeln, Schiffbrüchen und Verhaftungen durch; sie bringen alle Autoritäten gegen sich auf, nicht nur die Kirche, sondern auch die Orthodoxie der rechtgläubigen Aufklärung: und wie drei Stehaufmännchen tauchen sie aus jeder Katastrophe wieder auf...