Ludovico Ariost
Rasender Roland

Ariost, Ludovico

Ludovico Ariosts Rasender Roland

Nacherzählt von Italo Calvino

Mit ausgewählten Passagen des Originals in der Verdeutschung von Johann Diederich Gries, aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber, mit 63 Zeichnungen von Johannes Grützke

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Schade, dass keiner mehr Ariosts Meisterwerk kennt! Der Grund liegt auf der Hand: Gerade die virtuosen Verse sind es, die jedem Zuhörer süß ins Ohr rinnen - aber wer traut es sich heute noch zu, seitenlang solche betörenden Stanzen zu lesen? Italo Calvino ist es, der uns ebenso sanft wie entschlossen an die Hand nimmt und durch die Fabelwelt des Orlando furioso führt. Er kann das, weil er ein geborener Erzähler ist, weil er auf seine Art ebenso zaubern kann wie Ariost.
Es ist ein phantastischer Kosmos, der sich so erschließt. Auf den ersten Blick geht es um den Kampf zweier Kulturen: Ein islamisches Heer steht vor den Toren von Paris, und die christlichen Ritter verteidigen das Abendland. Aber der Autor nimmt den Glaubenskrieg, der zu seiner Zeit schon vier Jahrhunderte zurückliegt, nicht besonders ernst.
Er erzählt ein Märchen, in dem neben Magiern, Feen und Monstern die streit, abenteuer- und liebessüchtigen Menschen seiner eigenen Zeit die Hauptrolle spielen. Das alte Ritterwesen existiert nicht mehr. Egoisten sind es, Verrückte, Einsame, die sich mit der Anarchie und dem Chaos der Renaissance herumschlagen. Die Handlung wuchert, verzweigt sich, irrt im Zickzack umher. So entsteht ein grandioses, farbenprächtiges Panorama, »ein Universum für sich, in dem man kreuz und quer umherreisen und sich verlieren kann«.

Ludovico Ariost, geboren 1474 in Reggio Emilia, starb 1533 in Ferrara; er brachte sein Leben in den Diensten der Herzöge d'Este zu, an deren Hof es ebenso kriegerisch und brutal wie gebildet und luxuriös zuging.

Italo Calvino lebte von 1923 bis 1985; Leser in aller Welt lieben seine Romane und Erzählungen.