John Aubrey
Lebens=Entwürfe

Aubrey, John

Lebens=Entwürfe

Aus dem Englischen von Wolfgang Schlüter

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Das Dossier eines Exzentrikers.
»Mit den Dingen der Vergangenheit verhält es sich wie mit dem Licht nach Sonnenuntergang: Zuerst ist es noch deutlich - allgemach kommt die Dämmerung - dann gänzliche Finsternis. Also versäumt man, sie aufzuschreiben, bis sie am Ende in Vergessen versinken. Dieser Gedanke gab mir den Wink, etliche Alterthümer zu bergen, während ich selbst dem Altern ins Auge blicken muß - andernfalls jene samt und sonders verloren und vergessen waren.«
Mit diesen Sätzen formuliert John Aubrey, Sammler und Exzentriker, Privathistoriker und Gründungsmitglied der Royal Society, das Programm seines ganzen Lebens. Sein Hauptwerk, zu Lebzeiten nie erschienen, ist eine monumentale Sammlung von Lebensläufen: unzensiert, unfertig, fragmentarisch und gerade deshalb von einzigartiger Lebensnähe.
Elias Canetti lobte John Aubrey, »der Menschen im 17. Jahrhundert so sah, wie der gerissenste Dichter heute. Er maßte sich nicht an, sie gut oder schlecht zu finden, es gab ohnehin zuviel Prediger. In seiner schwerleserlichen Schrift bleibt alles ungeordnet liegen, und als es nach Jahrhunderten endlich entziffert wurde, war es immer noch seiner Zeit voraus, die Menschen, wie er sie sah, sind erst heute am Leben«.
Es treten auf-. Berühmtheiten wie sein Freund Thomas Hobbes, Francis Bacon, Edmund Halley und Thomas Morus, aber auch Söldner, Spekulanten, Erfinder, Huren und Architekten. Dem Zerfall der von Pest, Brand, Hexenwahn, Bürgerkrieg zerfurchten Zeit setzt Aubrey die Gewißheit entgegen, daß sich im Detail das Ganze bewahren ließe: Die Rettung liegt im Unscheinbaren, und das Bedeutende findet immer am Rande statt.
Dreihundert Jahre nach dem Tod des Autors, der 1625 geboren wurde und 1697 starb, wird sein Werk zum ersten Mal in deutscher Sprache vorgelegt. Die glänzende Übersetzung ist Wolfgang Schlüter zu verdanken, einem 1948 geborenen Gelehrten, dessen Essays von Walter Benjamin und Gustav Mahler, Konrad Bayer und Christopher Marlowe handeln. Übersetzt hat er unter anderen John Barth und Michael Hamburger sowie englische Lyrik aus acht Jahrhunderten.