Antje Vollmer, Hans-Eckardt Wenzel
Chronist im Jahrhundert der Extreme

Antje Vollmer, Hans-Eckardt Wenzel

Konrad Wolf

Chronist im Jahrhundert der Extreme

Er war der bedeutendste Filmregisseur der DDR, Präsident der Akademie der Künste seit 1965, Sohn des Schriftstellers, Arztes und Kommunisten Friedrich Wolf und seiner Frau Else – und Bruder des Auslandsgeheimdienstchefs Markus Wolf, dessen Buch „Troika" auf den Skizzen zu einem Film beruht, den Konrad Wolf vor seinem Tod im Jahr 1982 nicht mehr vollenden konnte.

Konrad Wolfs Filmerzählungen – 14 seiner Spielfilme wurden kürzlich neu ediert – machen ihn zum Chronisten der DDR und des eigenen dramatischen Lebens, das immer dem Schicksal der Familie und deren Traum vom Sozialismus in einem »anderen Deutschland« verbunden bleibt.

Dreißig Jahre nach dem Ende der DDR schauen Antje Vollmer (von der in der Anderen Bibliothek als Band 309 erschien: Doppelleben. Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop) und Hans-Eckardt Wenzel, beide mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, auf ein Jahrhundert der Extreme zurück, auf Hoffnungen und Illusionen – und mittendrin der wiederzuentdeckende Filmkünstler und sozialistische Kulturpolitiker Konrad Wolf.

"„Chronist im Jahrhundert der Extreme“ lautet der Untertitel des Buches. Das Autorenduo greift damit einen Topos des Historikers Eric Hobsbawm auf, und mit gutem Recht, wie sie immer wieder zeigen. (… )in extremen Sprüngen und Kontrasten (geht es)dahin: Spanischer Bürgerkrieg, Exil in Kasachstan, Eigenheim in Stuttgart, deutsche Barbarei bei Melitopol.
Und schließlich das Datum, das alles wendet und mit dem Konrad Wolf endgültig die Bühne der Geschichte betritt: der Befreiungsfrühling von 1945, auf den er mit seinem grundlegenden Film „Ich war neunzehn“ verwies, und von dem er sich dann eben auch noch 1981, ein Jahr vor seinem Tod, bestimmt sah. Moskau blieb für Konrad Wolf zeitlebens der relevante Orientierungspunkt.“ Bert Rebhandl, FAZ, 24.09.2019

"Das ist ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Buch: Eine Politikerin West und ein Liedermacher Ost, beide gestandene Persönlichkeiten und landesweit für ihre Professionalität anerkannt, nähern sich einem bedeutenden deutschen Filmkünstler, knapp 40 Jahre nach dessen Tod: Konrad Wolf. Es ist immer ein Wagnis, wenn zwei Autoren ein Buch schreiben. Dies hier verdient Respekt, weil beide eigenen Ehrgeiz zurückstellen - zugunsten ihres Protagonisten." Günter Agde, Neues Deutschland, 14.10.2019

„Das neue Buch von Antje Vollmer und Hans-Eckardt Wenzel ist ihm verpflichtet, aber erzählt von der anderen Seite her, es verringert die historische wissenschaftliche Distanz, hat wenig Scheu vor Pathos und kommt Wolf so ziemlich nahe - manchmal zu nahe. (…) Sie lassen Freunde und Mitarbeiter zu Wort kommen, Wolfgang Kohlhaase und Angel Wagenstein, das Ehepaar Christa und Gerhard Wolf, um in den Widersprüchen des sozialistischen Systems die Entwicklung seiner Entscheidungen und seiner Kreativität aufzuspüren“. Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019
 

Antje Vollmer, geboren 1943, ist promovierte Theologin und war fast 20 Jahre lang Mitglied des Deutschen Bundestags, von 1994 bis 2005 als Bundestagsvizepräsidentin. Sie war als vielbeachtete Publizistin tätig und wurde unter anderem mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille und dem Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnet. Von Václav Havel wurde ihr der Masaryk-Orden verliehen.

Hans-Eckardt Wenzel (Jahrgang 1955), ist Liedermacher, Regisseur und Autor (u. a. Lied vom wilden Mohn). Zuletzt erschienen von ihm: Hinter den Bildern die Welt. Die untergegangene Bundesrepublik in den Filmen von Rainer Werner Fassbinder (Briefwechsel mit Antje Vollmer, 2015) sowie He sacado mi esperanza a lucir (Zweisprachiger Gedichtband, 2014).

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