Robert James Fletcher
Inseln der Illusion

Fletcher, Robert James

Inseln der Illusion

Briefe aus der Südsee

Übersetzt aus dem Englischen und mit einem umfänglichen Dossier versehen von Reinhard Kaiser, samt einem Nachwort von Bohun Lynch (1922)

»Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, daß es angenehmer ist, am Kaminfeuer zu reisen, als in der Wirklichkeit.«

Robert James Fletcher ist der Lockung der Südsee ge­folgt wie viele andere vor ihm: Bougainville, Forster oder Stevenson. 1912 trifft er auf den Neuen Hebriden ein, einer Inselgruppe östlich von Australien.

Die Südsee lässt ihn nicht mehr los – aber das un­berühr­te Paradies fand Fletcher schon damals nicht, statt­dessen eine vom Kolonialismus durchsetzte Ge­sell­schaft, ruiniert von Händlern, Siedlern und Missio­naren; dazu Mücken und Malaria. Aber Fletcher ist als Rei­sen­der und Ästhet gekommen und nicht als Ge­schäf­te­macher – das verleiht ihm Distanz, die sich in seinen Briefen so lesenswert niederschlägt als Schärfe, fesselnde Authentizität und als ein schonungsloser Sarkasmus, der auch vor sich selbst nicht haltmacht. Das hält seine Prosa frisch.

Immer wieder plant er die Rückkehr nach England und bleibt – als Dolmetscher am Gerichtshof, Landvermesser und Plantagenaufseher. Die Schönheit der Südsee ist zum Greifen nah. Und zerrinnt.

»... hin- und hergerissen von der Schönheit der Archipele und der Arroganz des Kolonialismus. Dabei ist Fletcher alles andere als kein Rassist. Diese Spannung macht, neben Fletchers erzählerischem Talent, den Reiz dieses Buches aus. Wie immer gut übersetzt und bestens ediert.« Jürgen Lentes, Romanfabrik-Newsletter vom 01.02.2014

»Es sind eindrucksvolle Dokumente - Briefe, die von Einsamkeit berichten und von der Schönheit der Südsee, vom Paradies der Natur und der Hölle der Mitmenschen ... Wir müssen diesem indiskreten Freund dankbar sein, weil diese Briefe ein sehr authentisches Bild eines intellektuellen weißen Lebens in der Südsee abbilden.« Günter Wessel, Deutschlandradio Kultur, 06.01.2014

»Bis 1922 schrieb er einem Freund in London Briefe über das Insulanerleben, Briefe von entlarvender Ehrlichkeit, die aus Einsamkeit, Vorurteilen und enttäuschten Hoffnungen resultieren ... Die Briefe wurden 1923 veröffentlicht - ohne Wissen des Verfassers, was ihnen die Spontaneität, den Sarkasmus und die Authentizität bewahrt haben dürfte.« Paul Imhof, Tages-Anzeiger, 07.12.2013

»Seitdem tauchen die geistreich, respektlos und unterhaltsam geschriebenen Fletcher-Briefe immer mal wieder aus dem Meer des Vergessens auf. Zuletzt in einer wunderschönen Ausgabe der Anderen Bibliothek, übersetzt von Reinhard Kaiser.« Steffen Radlmaier, Nürnberger Nachrichten vom 30.11.2013

»Robert James Fletchers Beobachtungen des Kolonial- und Eingeborenenlebens, das da bereits weit vom unberührten Paradies entfernt ist, sind offen subjektiv, sprunghaft hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und tiefstem Unglück, wütend empört über die ruinöse Wirkung jeglicher Missionare, zugespitzt und sarkastisch auch seine eigenen Höllen, Leiden und Irrungen betreffend.« Berliner Zeitung vom 09.11.2013; Frankfurter Rundschau vom 16.11.2013

1877 in Schottland geboren, studiert Fletcher Medizin und Chemie, wird Lehrer und verlässt über Montevideo die »alte Welt«, um von 1912 bis 1920 auf den Neuen Hebriden zu leben; aus dieser Zeit stammen die Briefe, die er an seinen Studienfreund Bohun Lynch schreibt – und die dieser mit Eingriffen 1923 erstmals ver­öffent­licht. Lange Zeit galt Robert James Fletcher als in der Südsee verschollen – er kehrte 1930 nach England zurück, wo er 1965 starb. Über diese geheimnisvolle Biographie klärt das Dossier von Reinhard Kaiser auf.

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen am Nieder­rhein, lebt als Übersetzer und Schriftsteller in Frank­furt am Main. Der Anderen Bibliothek ist er seit ihren Anfängen durch zahlreiche Übersetzungen und Editionen eng verbunden. Seine Übertragungen von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts haben ihn weithin bekannt gemacht.

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