Raymond Aubert
In Pantoffeln durch den Terror

Aubert, Raymond

In Pantoffeln durch den Terror

Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard

Aus dem Französischen von Claudia Preuschoft, ausgewählt und eingeleitet von Wolfgang Müller und mit einem Essay von Volker Ullrich

Ein einmaliges privates Zeugnis aus den Pariser Revolutionsjahren
Es ist kaum zu begreifen, dass dieses einzigartige Dokument bislang noch nicht ins Deutsche übertragen wurde: das Revolutionstagebuch des Bürgers Célestin Guittard, der seinem Namen gern ein vornehmes »de Floreban« anhängte. Er war 66 Jahre alt, als er mit seinen Aufzeichnungen über den Alltag in jenen Jahren des Aufbruchs und des Terrors begann. Der wohlgelaunte Witwer im besten Mannesalter, mit guten Renten versehen, wusste die Gunst einer hübschen und pikanten Dame namens »Dasel«, nicht halb so alt wie er, durchaus zu schätzen und versah die Tage des gemeinsamen Vergnügens stets mit einem Kreuzchen. Er beschrieb die Jakobiner-Versammlungen und den ersten öffentlichen Gottesdienst der Protestanten und vermerkte die Einführung der Brotkarten und die Ausgabe von Personalausweisen mit demselben Stoizismus wie die Erfindung der Guillotine und, dann doch etwas erschüttert, Namen und Stand der vielen Geköpften.
Für die Andere Bibliothek traf Wolfgang Müller, lange Jahre Herausgeber der Rowohlt-Monographien, eine Auswahl der Texte und leitet sie ein. Claudia Preuschoft übersetzte die Tagebucheinträge. Der Historiker Volker Ullrich, Autor von glänzenden Studien zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, rückt in seinem Essay die Notizen des »Bürgers« aus dem täglichen Leben während der Französischen Revolution in den großen Zusammenhang und erschließt damit die historische und mentalitätsgeschichtliche Bedeutung dieser unschätzbar originellen Chronik.

»Hat Guittard die politisch korrekten Monstrositäten, die er zu Papier brachte, wirklich geglaubt? Vermutlich war er ein Mitläufer, ein Wendehals von der Sorte, die wir aus unserer eigenen Geschichte nur zu gut kennen. Aber das macht die Lektüre gerade so interessant. Liebevoll aufgemacht, mit einem klugen Vor- und Nachwort, Originalzeichnungen des Verfassers und einem Umschlag in den Farben der Trikolore, wird das Buch Sympathisanten des Ancien Régime und der Jakobiner gleichermaßen erfreuen.« Jörg von Uthmann, Die Welt vom 13.02.2010

»... zum ersten Mal in deutsche Sprache übersetzt, ist das Tagebuch eine so bewegende wie eindrückliche Schilderung des Lebens in einer Stadt, in der überbordende Lebenslust und selbstverständliche Mordlust Hochzeit feierten. Guittard versteht sich nicht als moralischer Weg-Weiser, seine Aufzeichnungen sind eine nüchterne Bestandsaufnahme - und gerade deshalb glaubwürdig.« Stefan Reis, Main Echo vom 27.02.2010

»Einem gewöhnlichen Hausvater gelingt es, gleichsam in Pantoffeln und unbeschadet durch die blutige Revolution hindurch zu kommen. Zu berichten hat er von wahrhaft großen Ereignissen, wenn auch in kleiner Münze.« Harro Zimmermann, Radio Bremen vom 17.01.2010

»...ein bedeutendes Vermächtnis und nicht nur für Geschichtsforscher interessant.« Frankfurter Neue Presse vom 12.01.2010

»Es ist eine fragmentarische Hinterlassenschaft, aber eine großartige, weil authentische.« Frauke Kaberka, Deutsche Presse Agentur vom 05.01.2010

»...eine ebenso originäre wie originelle Chronik...originär, weil aus eigenem Sehen und Erleben, und originell, weil sich in ihr geschichtliche und private Einträge mischen...ein sehr beachtenswertes zeitgeschichtliches und - soweit es der Autor zulässt - auch persönliches Dokument.« Hellweger Anzeiger vom 19.12.2009