Sergio Luzzatto
Il Duce

Luzzatto, Sergio

Il Duce

Das Leben nach dem Tod

Übersetzt aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn

Requiem für eine Leiche
Spät erst wurde dem »Führer« (dank der Filmindustrie) eine gespenstische Auferstehung zuteil. Das makabre Nachleben des Duce begann, als seine Leiche (und die seiner Maitresse Claretta Petacci) auf der Mailänder Piazzale Loreto an den Füßen aufgehängt und Bestialitäten ausgesetzt war, an denen sich die primitivsten Kannibalen entsetzt hätten: ein Horrorspiegel des Kultes, den der Diktator mit dem eigenen Körper und der Faschismus mit der Körperlichkeit seiner jungen Gefolgschaft getrieben hatte. Es ist dieser Körper, so Sergio Luzzatto in seiner brillanten Studie, auf dem Italiens neue Republik gründete. Und das in einem doppelten Sinn: Während die radikale Linke glaubte, nur das tatsächliche Verschwinden Mussolinis (und seiner Anhänger) werde seinen Mythos zertrümmern, klammerte sich die größere Zahl der Mussolini-Verehrer an die Hoffnung, dass ein ordentlich bestatteter Duce zur posthumen Verehrung einladen werde. Zwölf Jahre versteckten italienische Nachkriegsregierungen den Leichnam Mussolinis, um ihr politisches Überleben zu sichern – bis er 1957 nach düsteren Irrfahrten eine letzte Stätte im Familiengrab fand.
Es sind diese beiden Seelen in der Brust Italiens, die für Luzzatto das demokratisch unerfahrene Land geprägt haben und bis heute prägen: »Unversöhnlichkeit und Nachsicht, Radikalismus und trasformismo, die Pflicht der Erinnerung und die Kunst des Vergessens«.

»…hat Luzzatto eine Studie zu Mussolini veröffentlicht, die nun in der anderen Bibliothek bei Eichborn erschienen ist und die die besonderen Qualitäten des Historikers aufzeigt. Während in Deutschland noch immer beklagt wird, dass sich Fachautoren in Detailfragen verlieren, Überblicksdarstellungen oft als nicht ganz seriös angesehen werden, zeigt der Italiener, dass ein Spezialthema durchaus exemplarisch eine ganze Zeit erklären helfen kann. […] Luzzatto verfolgt die Geschichte des toten Duce, der von Anhängern des alten Regimes exhumiert und entführt wird, der anschließend staatlicherseits verwahrt und erst 1957 der Familie übergeben wird, bis zu seinem Eingang ins Familienmausoleum.« RBB – Inforadio vom 05.01.2008

»…eine faszinierende, anregende Studie über den italienischen Faschismus und die Bilderwelt, die er in Gang gesetzt hat, …« Die Welt vom 04.01.2008

»Wieso besitzt der Leichnam des am 28. April 1945 erschossenen Faschistenführers noch lange nach dem Tod eine solche Wirkmacht? Diese Quasi-Reliquie und Projektionsfläche zu durchleuchten hat sich der Turiner Historiker Sergio Luzzatto mit seiner Geschichte des Körpers des Duce zum Ziel gesetzt.« Der Standard vom 29.01.2008

"Der brillante junge italienische Historiker Sergio Luzzatto (geboren 1963) hat […] eine hoch spannende Analyse über den Führer- und Körperkult des Diktators sowie die erstaunliche Odyssee seines Leichnams veröffentliche. […] Bei der überaus inspirierenden Lektüre seines Buches fällt vor allem die Universalität seiner Thesen auf, die den Text zu einer unverzichtbaren Quelle für jede Leser machen, der sich für die Mechanismen der Macht in totalitaristischen, auf einen Führer aufgebauten Staaten interessieren.« Jüdische Zeitung, Februar 2008

»Manche Leute werden erst lebendig, wenn sie tot sind. So wie Benito Mussolini […] Historiker Sergio Luzzatto hat versucht, die bizarre Verehrung der Italiener für ihren Ditator zu erfassen. ][…] eine äußerst lebendige Biografie, die erst nach dem Tod Mussolinis beginnt.« Playboy, März 2008

»…nicht mehr und nicht weniger als die Biographie einer Leiche und die ungeheure Bedeutung, die sie für Italiens Nachkriegsgeschichte bis mindestens 1957 hatte.« Hellweger Anzeiger vom 12.01.2009

Sergio Luzzatto wurde 1963 geboren. Er ist Professor für moderne Geschichte an der Universität von Turin. Er beschäftigt sich intensiv mit der Französischen Revolution sowie der italienischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und veröffentlichte »Il Terrore ricordato« (1998) und »L'autunno della Rivoluzione« (1994). »Il Corpo del Duce« erschien 1998.