Ferdinando Galiani und Louise d'Épinay
Helle Briefe

Galiani, Ferdinando; Épinay, Louise de

Helle Briefe

Aus dem Französischen von Heinrich Conrad

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»Hoch oben schweben und Krallen haben... «
Er war ein zwergenhafter, buckliger Abbé aus Neapel und doch einer der freiesten Geister seines Jahrhunderts. Als er Paris verlassen und in seine Heimat zurückkehren mußte, wäre ihm schier das Herz gebrochen. Aber hatte er ein Herz? Sein Briefwechsel mit Madame d'Épinay läßt diese Frage offen. Aber er ist eins der aufschlußreichsten und amüsantesten Zeugnisse, die uns aus der großen Zeit der Aufklärung geblieben sind.
Mit dem linientreuen Optimismus vieler Zeitgenossen hatte der Abbé freilich nichts im Sinn. Mit seinem skeptischen und zuweilen zynischen Realismus kann er als krassester Antipode Rousseaus gelten. Sich etwas vorzumachen galt ihm als Todsünde des Intellekts. Jeder Heilserwartung begegnete er mit dem Satz: »Wir und unsere Kinder - der Rest ist Träumerei.«
Doch seine Freunde, Diderot und d'Alembert, Holbach und Grimm, vergaß er nie, und seiner Freundin Madame d'Épinay hielt er die zärtlichste Treue. Sie antwortete ihm mit gleicher Münze. Galianis radikale Anthropologie, seine Vorstellung von der Selbstorganisation des Universums, seine politischen und ökonomischen Ideen lesen sich heute wie Vorgriffe auf Theorien der Gegenwart. Nietzsche nannte ihn »den tiefsten, scharfsinnigsten und vielleicht auch schmutzigsten Menschen seines Jahrhunderts«. - »So bin ich eben«, hätte er erwidert, »zwei verschiedene Menschen in einem zusammengeknetet, die aber immer noch nicht ganz soviel Platz einnehmen wie ein einziger«.

Ferdinando Galiani wurde 1728 in Chieti geboren. Die Jahre 1759 bis 1769 verbrachte er als Sekretär der neapolitanischen Gesandtschaft in Paris. Er starb im Herbst 1787 auf seinem Landgut Santo Sorio bei Neapel.

Louise de la Live d'Épinay, geboren 1726 in Valenciennes, war eine jener Damen, die in der französischen Kultur des 18. Jahrhunderts eine so entscheidende Rolle spielten. Sie starb 1783 in Paris und hinterließ verschlüsselte Memoiren, die erst viel später veröffentlicht worden sind.