Achim von Arnim, Clemens Brentano
Freundschafts-Briefe

Arnim, Achim von / Brentano, Clemens

Freundschaftsbriefe I/II

Vollständige kritische Edition von Hartwig Schulz

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Literaturgeschichte – im Leben und mit dem Leben geschrieben.

Dieser einzigartige Briefwechsel war bisher nur bruchstückweise zugänglich, in einer tendenziösen Ausgabe vom Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert.* Die Dichterfreundschaft zwischen Arnim und Brentano begann im Sommer 1801 in Göttingen. Erfüllt von der Aufbruchstimmung der Jenaer Romantik gingen die beiden daran, ihr Leben zu »poetisieren«. Aus ihrer dichterischen Praxis und in ihren kunstvollen und zugleich spontanen Briefen ist eine neue Ästhetik entstanden. Mythisches und Existentielles, Tradition und Experiment verbinden sich in ihren Gedichten, von denen immer wieder Proben in die Briefe eingeflochten sind. Ihre große Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806–1808) hat den scheinbar natürlichen, in Wahrheit höchst artifiziellen Volksliedton der deutschen Lyrik erst eigentlich geschaffen.*Die Freundschaftsbriefe können als Gegenstück zu der Korrespondenz zwischen Goethe und Schiller gelten. Im Vergleich zu dem jungen Gespann Arnim-Brentano nehmen sich die Klassiker allerdings ziemlich steifleinen aus. Während Goethe seinem Freund »Promemorias« zur gefälligen Durchsicht übermittelt, mischen sich in den Briefen der Romantiker Klatsch und Kunst, ästhetische Diskussionen und erotische Erfahrungen.*Erst als Arnim zum Gutsherrn und Brentano, wie Heine sagt, zum »korrespondierenden Mitglied der katholischen Propaganda« wird, erlischt die starke, homoerotisch gefärbte Bindung der beiden Freunde allmählich.*Die Forschung hat bisher nur die Brentano-Briefe aufgearbeitet; sie erschienen zu großen Teilen bereits in der großen historisch-kritischen Ausgabe, die im Frankfurter Freien Hochstift erarbeitet wird. Die Publikation der Gegenbriefe wird in der geplanten Arnim-Ausgabe der Stiftung Weimarer Klassik vorbereitet. Im Einvernehmen mit den Herausgebern der großen Editionen erscheint nun unsere Leseausgabe nach den Handschriften.*Sie verzichtet auf jede Modernisierung der Orthographie und lässt die Lektüre zum Abenteuer werden, da beide Autoren oft »ohne Punkt und Komma« ihre phantasievollen Geschichten formulieren. Die Kommentierung basiert auf den Erkenntnissen der Forschung und bietet dem Leser, neben einem Personenregister, die notwendigen Hntergrundinformationen und Worterklärungen.

Der Herausgeber Hartwig Schultz leitet seit 1974 die Brentano-Arbeitsstelle im Freien Deutschen Hochstift (Frankfurter Goethe-Museum). Bisher sind 24 Bände der historisch-kritischen Brentano-Ausgabe erschienen. Schultz lehrt als Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Mainzer Universität; er hat sich vor allem als Romantik-Forscher einen Namen gemacht. Im Deutschen Klassiker Verlag gab er fünf Bände der Eichendorff-Ausgabe heraus.