Lothar Müller
Freuds Dinge

Lothar Müller

Freuds Dinge

Der Diwan, die Apollokerzen & die Seele im technischen Zeitalter

Freuds Dinge spürt jenen Gegenständen nach, die die bürgerliche Lebenswelt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bevölkerten, als Sigmund Freuds Psychoanalyse entstand.

Ob Instrumente medizinischer Laboratorien, Möbel oder Kinderspielzeug, Götterfiguren aus Gips und Marmor in Sichtweite des legendären Diwans oder Schreibgeräte wie der „Wunderblock“ – die Warenwelt des technischen und industriellen Zeitalters verwandelt sich bei Freud in „Traumdinge“, die den Träumenden einladen, durch Name oder Gestalt seine Erinnerungen, Wünsche oder Ängste zu offenbaren.

Das Inventar des modernen, von Mechanisierung und Elektrifizierung geprägten Alltags, ist in Freuds Fallgeschichten und Deutungen eingewoben, es spielt wie die antike Mythologie eine tragende Rolle in der Erforschung des „seelischen Apparats“. So lassen sich Freuds Schriften nicht nur als Aufdeckung des Verdrängten und Entzifferung des Unbewussten  lesen, sondern zugleich als Geschichte des Zusammenspiels von Dingwelt und Seelenleben im bürgerlichen Zeitalter.

Lothar Müllers verblüffende Neulektüre wirft einen überraschenden Blick auf Sigmund Freuds epochale Deutungskunst und geht der Geschichtlichkeit des Unbewussten nach.

 

"Als Sammler verfolgte Freud nicht das Ziel der Vollständigkeit, und das ist wohl auch Müllers Ziel nicht gewesen, der sich methodisch dem Sammler Freud annähert, wenn er Couch, Kugelschreiber, Kerze und Venus von Medici ganz handgreiflich betrachtet, um ihren Weg in Freuds Denken nachzuvollziehen. Die wichtigste Lehre aus Freuds Dinge ist denn auch eine andere. Sie verweist „auf die Geschichtlichkeit des Unbewussten wie auf die Geschichtlichkeit jeder Theoriebildung“. Was auch die Frage stellt, was die Dinge sind, von denen wir heute träumen. Und warum." Mladen Gladic, der Freitag, 20.06.2019

"Freuds Dinge von Lothar Müller, Literatur-wissenschaftler und Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung, will das Panoptikum der Dinge in Freuds Fallgeschichten und Schriften ergründen. Neben der Couch tauchen die weniger prominenten, bisweilen obskuren Objekte aus der bürgerlichen Lebenswelt des späten 19. Jahrhunderts auf, der Freuds Kosmos ja entstammt. ... Bei Müller wirken die Dinge stets zweifach: zunächst einmal als konkrete Alltagsobjekte, die das Denken und Leben ihrer Zeit formen sowie dem Denken die entscheidenden Metaphern diktieren. Zugleich sind die Dinge jedoch immer auch Symbole. So liefern sie zum Beispiel in ihrer Erscheinungsform spontane Möglichkeiten der Assoziation bei den Träumenden;" Marlen Hobrack, Die Zeit, 16.05.2019           

"Müller zeigt, dass Freud, wenn er vom "seelischen Apparat" spricht, immer auch an ganz reale technische Apparate denkt. Sein Buch ist eine Mythologie des Alltags, und es verdeutlich am Alltag einer Theoriebildung, dass Theorie ohne Alltag so etwas wäre wie ein Liebesgedicht eines Dichters, der noch nie verliebt war." Ronald Düker, Philosophie Magazin Nr.04/2019

"Der Literaturredakteur (Lothar Müller) und Honorarprofessor analysiert, mit welchen sprachlichen und intellektuellen Operationen Freud das Unbewusste konstruiert, wie seine Metaphern funktionieren und welche Rolle dabei die Dinge der Lebenswelt spielen. So erzählt er nicht nur die Geschichte der Psychoanalyse aus neuem Blickwinkel, sondern beschreibt auch Freuds Entwicklung vom neurologischen Experimental-wissenschaftler zum bedeutendsten Kulturanthropologen seiner Zeit." ekz.bibliotheksservice April 2019

"Die Intension des Buches über "Freuds Dinge" erschöpft sich jedoch nicht im virtuosen Beitrag zur Geschichte der Obkejte... Eingeschrieben ist ihm ebenso die Aufforderung den eigenwert sowie die psyschiche Valenz jener Dinge und Systme zu studieren, die uns aktuell umgeben". Eckart Goebel, die Welt, 30.03.2019

"Müller mag bei den Dingen verharren, an der Oberfläche bleibt er nicht. In einem Punkt zumindest konvergiert seine horizontale Freud-Lektüre mit der vertikalen Psychoanalyse: Gegen die Mythologisierung setzen beide die Aufklärung. Wie schön diese sein kann, zeigt dieser kluge und elegante Essay."Hendrikje Schauer, der Tagesspiegel, 24.3.2019

"Behutsam zeichnet Müller die Verbindungslinien zwischen bürgerlichem und seelischem Interieur nach.(...) Müllers Beschreibungskunst besteht darin, den Dinge in Freuds Texten nachzuspüren, sie herauszupräparieren und in die Lebenswelt zurückzuholen, aus der sie stammen, um auf diese Weise den Texten neue Nuancen abzugewinnen." Michael Hagner, FAZ, 19.3.2019

"Anhand von "Freuds Dingen" erzählt Lothar Müller nicht nur die Geschichte der Psychoanalyse neu; er beschreibt auch die Entwicklung Sigmund Freuds vom neurologischen Experimentalwissenschaftler mit Fokus auf Gewebeschnitten vom Gehirn über den Theoriebilder, Namensfinder, Rätsellöser und Meistererzähler seiner Fallgeschichten bis hin zum bedeutendsten Kulturanthropologen seiner Zeit. All dies macht Müllers Groß-Essay schon jetzt zu einem Standardwerk für die Freud-Lektüre. " Sigrid Löffler, MDR Kultur, 15.03.2019

"Lothar Müllers Erzählung von Kerzen, Möbeln, technischen Apparaten, Büchern, Wohnungen, Zeitungsschnipseln, Kunstwerken und Alltagsdingen aus dem Inventar des 19. Jahrhunderts ist selbst ein archäologisches Unternehmen. Seine Fundstücke schießen zusammen zu einem facettenreichen Bild des Weltbilderschütterers Freud und der Welt, in der er lebte." Matthias Greffrath, Deutschlandfunk Kultur, 7.3.2019

 

 

Lothar Müller (geb. 1954) ist Literaturkritiker, Literaturwissenschaftler, Journalist und Autor. Er ist Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Berlin, Preisträger des Alfred-Kerr-Preises (2000), des Johann-Heinrich-Merck-Preises (2008) und des Berliner Preises für Literaturkritik (2013) sowie Autor zahlreicher Bücher (zuletzt: Weiße Magie. Die Epoche des Papiers, 2012, Hanser). Seit 2010 ist er Honorarprofessor an der HU Berlin.

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