Uwe Wesel
Fast alles, was Recht ist

Wesel, Uwe

Fast alles, was Recht ist

Jura für Nicht-Juristen

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Tatsache ist, daß wir, will sagen die meisten, keine Ahnung davon haben. Abgesehen von den Prozeßberichten aus der Zeitung begegnet uns das Rechtssystern nur als vage Drohung: wenn wir eine gerichtliche Vorladung im Briefkasten finden oder einen jener entsetzlichen Anwaltsbriefe, die uns dazu nötigen, unsererseits einen Anwalt zu beschäftigen. Keine Schule dieser Republik hat uns darüber aufgeklärt, was die Juristen eigentlich treiben und was es mit ihren dunklen Begriffen auf sich hat.
Folgerichtig beginnt Uwe Wesels grundlegendes und grundgescheites B uch mit einem Kapitel über die Sprache der Juristen. Dann führt er, und zwar auf die eleganteste, um nicht zu sagen witzigste Weise, die wichtigsten Rechtsgebiete vor, also das Staatsrecht, das Straf- und Privat-, das Arbeits- und Verwaltungsrecht, in exemplarischen Abschnitten, die die Grundbegriffe erklären - nicht die tausend Einzelheiten, sondern jeweils eine Handvoll; er zeigt, was dahinter steht, den springenden Punkt. Rechtsfälle und Urteile machen klar, was der langen Rede kurzer Sinn ist; denn mit ihren Entscheidungen beeinflussen unsere obersten Bundesgerichte das Recht oft stärker als die Gesetze des Bundestages. Am Schluß folgt noch ein Überblick über das, was es sonst noch gibt im Recht, und ein Kapitel über die Theorie und die Methode der Juristen.
Uwe Wesel beschreibt nicht nur, was der Fall ist; er setzt das System, das er beschreibt, der Kritik aus; er denkt darüber nach und befähigt so den Leser, sich selber das zu bilden, was den Juristen so teuer ist: ein Urteil.
Ein solches Buch hat es bisher in deutscher Sprache nicht gegeben. Hier spricht nicht ein Experte, der den blutigen Laien mit Ratschlägen bedient, sondern ein Autor, der das Ganze ins Auge faßt und den Leser für voll nimmt. Zu vermuten ist, daß dieses Buch auch zahllosen überforderten Jura-Studenten als Notanker dienen wird; denn es fragt nach dem, was im öden Repetitorium verlorengeht: nach dem Sinn des Ganzen.

Uwe Wesel, geboren 1933, ist Professor für Rechtsgeschichte und Zivilrecht an der Freien Universität Berlin. Veröffentlichungen: Der Mythos vom Matriarchat (1980); Aufklärungen über Recht (1981); Juristische Weltkunde (1984); Frühformen des Rechts in vorstaatlichen Gesellschaften (1985); Recht und Gewalt (1989).