Jean Luis Borges
Eine neue Widerlegung der Zeit

Borges, Jorge Luis

Eine neue Widerlegung der Zeit und 66 andere Essays

Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs & Karl August Horst

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Die Erzählungen! Immer wieder dieselben, vielzitierten Erzählungen. Doch Borges kann nicht erzählen, ohne zu denken, und nicht denken, ohne zu erzählen. Deshalb sind seine Essays nicht weniger phantastisch, radikal und »fabelhaft« als seine Ficciones - ja, vielleicht steckt in ihnen sogar der eigentliche Kern seiner Autorschaft. Sonderbar, dass sie in keiner handlichen Ausgabe auf dem Markt zu finden sind. Viele von ihnen nennen sich »Historien«, »Träume« oder »Rätsel«, und alle sprengen den hergebrachten Begriff des Essays und verleihen der Gattung einen neuen, irisierenden Glanz.
Die frühesten unter diesen Stücken, kaum bekannt, sind achtzig Jahre alt, und sie wirken so frisch und überraschend wie am ersten Tag. Die Themen sind so vielfältig, dass man sich an den Kopf greift. Von der »Kunst des Schmähens« handeln sie, von der »Dauer der Hölle«, von Kabbalisten und Schildkröten, Denkmaschinen und Engeln.
Bisher unbekannt war hierzulande, was Borges über die Deutschen, die Juden und den Zweiten Weltkrieg schrieb. Diese Texte widerlegen die schwarze Legende, der zufolge man es mit einem unpolitischen oder gar »rechten« Schriftsteller zu tun hat. Es ist kein Zufall, dass Borges sich so gerne mit »Rechtfertigungen« und »Widerlegungen« befasst hat. Den Zeitgeist hat er stets verachtet, und zum Mainstream wird er nie gehören.

Für eine Kurzbiographie ist Borges zu berühmt; es mag genügen zu sagen, daß er 1899 in Buenos Aires geboren und ebendort 1986 gestorben ist.