Erwin Blumenfeld
Einbil-dungsroman

Blumenfeld, Erwin

Einbildungsroman

Erinnerungen

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Der rasante Bericht von einem rasanten Leben.
1897: Im wilhelminischen Berlin »höchst dilettantisch ins blutige Dasein bugsiert«, der Vater jüdischer Schirmfabrikant und Bankrotteur, die Mutter »eine Phrasendreschmaschine«.
1913: gelernter »Koofmich« bei Moses & Schlochauer (Damenkonfektion).
1917: Totengräber an der Westfront (Ehrensold pro Leiche 50 Pfennig).
1918: wegen Fahnenflucht verhaftet; Kunsthändler in Holland; Versuch, »Kubismus an Bauern zu verkaufen«.
1920: Präsident der »dadaistischen Weltzentrale« in Amsterdam.
1936: Avantgarde-Photograph in Paris.
1939: KZ in Frankreich, zwischen Gestapo, Vichy und Résistance.
1941: mit dem letzten Frachtdampfer nach New York entkommen; Star-Photograph im »Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten« für Vogue und Harper's Bazar.
1969: Tod in Rom.
Blumenfeld hinterlässt eine Autobiographie, so virtuos, witzig und gnadenlos, dass sie keinen Verleger findet. Die Lektoren »gähnen«, wie Alfred Andersch sagte, »im falschen Moment«, oder finden das Buch abstoßend, geschmacklos, obszön. Kein Wunder bei dieser Mischung aus Chuzpe, Hohn, Ekel und Selbstironie. Bösartig und munter fällt Blumenfeld über die Deutschen, die Franzosen, die Holländer, die Juden, die Amerikaner und nicht zuletzt über sich selber her. Dafür bürgt schon der Titel des Buches, dessen Fazit lautet: Die Welt ist »eine Geltungsbedürfnisanstalt«. Blumenfelds Text erscheint hier zum ersten Mal ungekürzt und unter seinem Originaltitel. Eine reiche Auswahl aus den sensationellen Fotos des Autors illustriert den Band.