Jean Giono
Ein Mensch allein

Jean Giono

Ein Mensch allein

Roman

Aus dem Französischen von Caroline Vollmann, mit einem Nachwort zum Werk von Jean Giono von Wolfgang Matz

Ein Mensch allein – 1946 geschrieben, vom 1. September bis 10. Oktober, ist das erste von Jean Gionos Büchern nach dem Krieg. Berühmt ist er geworden mit Büchern, die das scheinbar ferne archaische Leben der Haute- Provence beschworen haben.

Ein Bergdorf, dicht unter den Wolken und vom Schnee erstickt. Menschen verschwinden spurlos. Capitaine Langlois, ein ehemaliger Kolonialsoldat, richtet sich mit seinen sechs Gendarmen in einem Gasthaus ein und spürt den erahnten Verbrechen nach. Ein Baum, eine Buche, der »zitherspielende Apoll unter den Buchen«, birgt das Geheimnis. Langlois stellt den Mörder, er spricht das Urteil ohne Gericht – und er vollzieht es. Dann nimmt er seinen Abschied.

Aber er kehrt zurück als Major des Wolfsjagdkorps. Er spürt den Wölfen nach. Er möchte sich im Dorf einrichten, Teil der Gemeinschaft werden, er findet eine Frau. Aber er ist: ein Mensch allein. Hochmütig und abweisend. Nur vertraut mit Gewalt und mit dem Tod.

In dieser einsamen Bergwelt wird Langlois, von dessen Leben in einem vielstimmigen Bericht über die Zeiten hinweg und im Tonfall und der Tradition mündlicher Überlieferung erzählt wird, zur faszinierenden Gestalt. Seine Deutung aber überlässt uns Jean Giono.

Er zitiert Blaise Pascal, den Philosophen, den Mathematiker und Moralisten, im Titel des französischen Originals – »ein König ohne Vergnügen«. Das ist ein Mensch allein, ein Mensch voller Not?
 

"Seine 72 Jahre merkt man dem Werk nicht an, es wirkt wie ein Zeitgenosse von Céline Minard, deren lebhafter Stil mit einem Schlag in einer ungeahnten Kontinuität erscheint. Und so lässt man sich rasch darauf ein, wird mitgerissen, denn das, was Giono zu erzählen hat, ist spannend: erst wie ein Krimi, dann psychologisch, ohne Psychologie zu betreiben." Niklas Bender, FAZ, 25.06.2019

"„Ein Mensch allein" ist ein düsteres Buch mit anspruchsvoll springender Dramaturgie. Eine Suche nach dem Bösen, nach Schuld und Isolation, Versagen und Sühne, nach Taten und deren bedrückenden Folgen, nach Worten, die Gefühle verbergen." Alexander Kluy, Wiener Zeitung, 08.06.2019

"„Ein Mensch allein" handelt niemals dezidiert von Politik, der Roman entwirft zeitlose, markante Szenerien und Charaktere. Der Titel "Un roi sans divertissement" ist zudem eine Anspielung auf ein Fragment aus den "Pensées" des Philosophen Blaise Pascal aus dem 17. Jahrhundert: "Ein König ohne Zerstreuung ist ein Mensch voller Elend." Das Elend des Offiziers Langlois, des Bezwingers von Mördern und Wölfen, wird im Roman von Jean Giono nirgends direkt thematisiert. Und dennoch geht es die ganze Zeit im Grunde nur darum. Ein weitblickender, abgründiger, nie ganz auszulotender Roman." Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 13.05.2019

"Mensch und Wolf – zwei Routiniers des Tötens: Jean Gionos neu übersetzter Roman von 1946 über einen Wolfsjäger in den französischen Alpen ist große Lektüre. Bestechend sind vor allem Gionos andeutungsreiche Sprache und sein bissiger Humor.(...) Mit faszinierender Hintergründigkeit deutet der Roman einen Zusammenhang zwischen der Menschen- und der Wolfsjagd an.(...) So spannend die Geschehnisse – das eigentliche Ereignis ist Gionos Sprache. Er bricht hier mit dem archaisierenden Stil seiner Vorkriegsromane und entwickelt eine vertrackte Erzählweise voller Andeutungen, Perspektivwechsel und bissiger Humoristik." Wolfgang Schneider, Deutschlandfunk Kultur, 04.02.2019

Jean Giono (1895-1970) kehrte als Pazifist aus dem Soldatendienst im Ersten Weltkrieg zurück in seinen Heimatort. Sein Romandebüt 1930 brachte ihm augenblicklichen Erfolg und die Anerkennung seiner Schriftstellerkollegen ein. Er entdeckte Herman Melville für Frankreich und übersetzte dessen Moby Dick – nicht zuletzt die Aufnahme in die Académie Goncourt und in die Ehrenlegion zeugen von seiner Stellung im literarischen Frankreich, die er bis heute einnimmt.

Caroline Vollmann wurde für ihre Übertragung von Théophile Gautiers Mademoiselle de Maupin für den Preis der Leipziger Buchmesse 2012 nominiert. In der Anderen Bibliothek erschien zuletzt in ihrer Übersetzung Manette Salomon der Brüder Goncourt (Band 394, 2017).

Ein Mensch allein