V.S. Naipaul
Dunkle Gegenden

Naipaul, V. S.

Dunkle Gegenden

Sechs große Reportagen

Zusammengestellt und aus dem Englischen übersetzt von Karin Graf

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Von neuen Königen und alten Krokodilen
Politisch korrekt war er nie. Daran liegt es wohl, daß der Nobelpreis ihm bisher versagt geblieben ist. Naipaul, als Sohn einer indischen Familie im karibischen Trinidad geboren, kennt jene Welt, die in den Metropolen die dritte genannt wird, von innen und von außen. Das ergibt einen stereoskopischen Blick, der sich, ebenso vertraut wie gnadenlos, auf die drei ärmeren Kontinente richtet.
Die Berichte dieses großen Romanciers haben mit dem landläufigen Journalismus keine Ähnlichkeit. Sie stoßen nicht nur in die Tiefe des Raumes vor, sondern auch in die Tiefe der Zeit: Naipauls Reisen sind Rückkehrversuche. Der früheste Text des Buches, Conrads Finsternis, führt auf den Spuren eines berühmten Vorbilds in den Kongo; Mobutu und der Nihilismus Afrikas liefert das politische Pendant dazu; mit den Krokodilen von Yamousoukro wird der westafrikanische Hintergrund aufgerollt.
Zwei Reportagen aus Guyana und Grenada zeigen die regressiven Seiten angeblicher »Befreiungsbewegungen« auf, aber auch die Aussichtslosigkeit westlicher Interventionen. »Die Revolution verflog, und was blieb, war eine Mordstory«.
1982 beschreibt Naipaul die verheerende Hinterlassenschaft des Militärregimes in Argentinien. Es geht dabei nicht um eine politologische Analyse, sondern um die zentrale Frage, die ihn immer wieder beschäftigt: wie die Zivilisation in den dunklen Regionen der Grausamkeit überleben kann.

V.S. Naipaul, 1932 beboren, lebt in England. Fast sein ganzes Werk liegt in deutscher Sprache vor, zum Beispiel ein Haus für Mr. Biswas, An der Biegung des großen Flusses, Eine islamische Reise; im vergangenen Jahr ist sein autobiographischer Roman Das Rätsel der Ankunft auf deutsch erschienen.